Die Arbeiter, die derzeit Graffiti und andere Vandalismusschäden an der East Side Gallery in Friedrichshain beseitigen, staunten nicht schlecht: „Kaum hatten wir die Schmierereien von einem Bild beseitigt, kamen Jugendliche, die Farbdosen aus einer Reisetasche holten und das Bild erneut besprühten“, erzählt einer der Spezialisten. Er und seine Kollegen sind seit gut einer Woche damit beschäftigt, die 1,3 Kilometer lange Open-Air-Galerie an der Mühlenstraße zu säubern. Als der Arbeiter die jungen Leute darauf hinwies, dass sie ein Denkmal beschädigen, sei er beschimpft worden, sagt er. Auf spanisch habe man ihm bedeutet, dass an dieser „international bekannten Malwand“ jeder machen könne, was er wolle. Das sei schließlich allgemein bekannt.

Kein Unrechtsbewusstsein

Solche und ähnliche Vorfälle an der East Side Gallery veranlassen jetzt den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg zu drastischem Handeln: Am Mittwoch ab 7 Uhr wird auf dem Gehweg vor der East Side Gallery ein zwei Meter hoher Bauzaun aufgestellt – im Abstand von 1,50 Metern zur Betonmauer, so dass niemand mehr an die Bilder heranreicht. Alle 20 Meter werden zudem Schilder an den Zaun gehängt, auf denen in Deutsch und Englisch erklärt wird, dass es sich bei der East Side Gallery um ein Denkmal handelt. Und dass sich jeder strafbar macht, der dieses Denkmal beschmiert oder anderweitig beschädigt.

„Wir müssen endlich Ruhe reinbringen in den Hype um die East Side Gallery“, sagt Adalbert Maria Klees vom Grünflächenamt des Bezirks. Er koordiniert die Sicherungsarbeiten. Bis zu drei Millionen Menschen besuchen jedes Jahr die East Side Gallery. Die DDR-Hintelandmauer, die von Künstlern aus aller Welt aus Freude über die Grenzöffnung gestaltet wurde, fehlt in keinem Gästeprogramm von Reiseunternehmen. Seit längerem schon, sagt Klees, beobachte man Gerüchte im Internet: An der Mauer, heißt es dort vielfach, dürfe sich jeder ausprobieren, mit eigenen Bildern, eingeritzten Symbolen oder dem Hammer, um Mauerteile aus dem Beton zu klopfen. Folgerichtig fehlten Unrechtsbewusstsein oder gar Respekt vor allem bei den vielen jugendlichen Besuchern aus aller Welt völlig.

Fast 300 Meter der 1,3 Kilometer langen Mauer sind schon gereinigt. Für die Arbeiten hatten Bund und Land insgesamt 230 000 Euro zur Verfügung gestellt. Begonnen wurde am westlichen Ende der Mauer, wo jetzt auch mit dem Aufstellen des Bauzauns begonnen wird. Je nach Reinigungsfortschritt soll er dann ostwärts komplettiert werden. An etlichen Stellen, wo sich Ätz-Stifte oder aggressive Chemikalien in die Bilderfarben oder gar den Beton gefressen haben, muss noch nachgearbeitet und retuschiert werden. Wie weit man mit den Arbeiten bis zum Beginn der Frostperiode kommt, in der pausiert werden muss, ist nach Auskunft des Bezirks ungewiss.

Der Bauzaun ist aber nur ein Provisorium. Klees: „Wir brauchen eine dauerhaften Schutz für das Denkmal.“

Geländer in Hüfthöhe

Ideal, heißt es im Bezirk, wäre ein Wachschutz, der rund um die Uhr für Ordnung sorgt. Doch der würde 300 000 Euro im Jahr kosten, zu teuer für den Bezirk allein. Auch eine Plexiglasscheibe vor der Mauer war im Gespräch. Doch weil auch diese zerkratzt, beschmiert oder beklebt werden könne, kam man davon ab.

Jetzt wird ein Geländer favorisiert, das in Hüfthöhe und eine Armlänge von der Mauer entfernt in den Boden gesetzt wird. Das soll signalisieren, dass die Mauer eben keine Malwand ist. Damit aber der Gehweg nicht zu schmal wird, will der Bezirk die Parkplätze am Straßenrand weg haben und diesen Raum zusätzlich für Fußgänger umbauen. Über die Finanzierung, so heißt es, müsse man noch mit dem Senat reden. Es sieht also ganz danach aus, dass der Bauzaun ein längerfristiges Provisorium sein wird