Berlin - Die Aufregung ist groß im Viertel rund um die Krautstraße in Friedrichshain. In den DDR-Neubauten unweit vom Strausberger Platz lagen vor wenigen Tagen Infozettel des Vermieters, der Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM). Darin werden „Baumaßnahmen im Außenbereich“ angekündigt. Voraussichtlich ab dem 5. Dezember sollen an der Krautstraße und der Lichtenberger Straße Parkplatzflächen abgerissen und Müllplätze umgesetzt werden. Auch Baumfällungen werden angekündigt – verbunden mit der Bitte um Verständnis für Lärm und Schmutz während der Arbeiten.

In der Nachbarschaft ist man erbost. Seit Monaten protestieren Mieter gegen Baupläne der WBM, die im Viertel zwei Hochhäuser bauen will. Wie an anderen Orten in Friedrichshain und Mitte soll auch dieses Wohngebiet verdichtet werden, um dringend benötigten Wohnraum zu schaffen. In den geplanten Zehngeschossern soll es insgesamt 64 Wohnungen geben, mit einem bis vier Zimmern, zwischen 37 und 86 Quadratmetern groß. Ein Drittel davon sind zu Kaltmietpreisen zu 6,50 Euro vorgesehen, zwei Drittel sollen barrierefrei sein. Am 14. Oktober wurde der Bauantrag im Bezirksamt gestellt.

Bebauungsplan für Friedrichshain-West

Die Mieter befürchten einen Verlust ihrer Wohnqualität, sollten dort Freiflächen versiegelt werden. Auch um die Qualität der Luft und mangelnden Lichteinfall sorgt man sich. Im Bezirk teilt man diese Bedenken. Deshalb hat die Bezirksverordnetenversammlung beschlossen, dass für das gesamte Gebiet in Friedrichshain-West ein Bebauungsplan aufgestellt wird.

Damit verbunden sind mehrere Gutachten, die klären sollen, ob die Besorgnisse der Mieter berechtigt sind. Dies soll gewährleisten, dass die berechtigten Interessen der Anwohner berücksichtigt werden und eine qualitativ dem jeweiligen Quartier angemessene und umweltverträgliche Nachverdichtung umgesetzt werden kann.

Neue Bäume und ein neues Müllkonzept

Im Bereich der Karl-Marx-Allee, wo die WBM auf einem grünen Innenhof mehrere Neubauten plant, haben von Anwohnern beauftragte Experten errechnet, dass die Luftzirkulation im Kiez quasi zum Erliegen käme und die unteren Etagen kaum Sonnenlicht abbekämen, sollte wie geplant gebaut werden.

Und so hat die neue Bezirksverordnetenversammlung am Montagabend die WBM aufgefordert, ihre Bauanträge zurückzuziehen und keine Fakten zu schaffen, ehe Genehmigungen erteilt werden. Das gelte auch für die jetzt angekündigten Maßnahmen. Vom Bezirksamt verlangen die Verordneten, alles zu tun, damit keine irreversiblen Fakten geschaffen werden.

Bei der WBM versucht man zu beschwichtigen. Man werde natürlich keinen Baum fällen, ehe nicht die Genehmigung dafür vorliege, sagt WBM-Sprecherin Steffi Pianka. Und: „Wir haben in mehreren Workshops mit den Mietern nach Möglichkeiten gesucht, das Wohngebiet schöner zu gestalten.“ Es soll neue Bäume geben, ein neues Müllkonzept sowie neue Spielflächen und sogar einen Mietergarten geben.