Berlin - Auf den ersten Blick ist der Fünfgeschosser mit der lindgrünen Fassade einer der üblichen schicken Altbauten im Friedrichshainer Kneipenkiez. Doch das Eckhaus an der Boxhagener-/Simon-Dach-Straße ist kein gewöhnliches  Haus. Seine Geschichte  zeigt, wie Investoren tricksen, was Politik dagegen vermag – und was nicht.

Das Haus gegenüber dem Kino Intimes stand acht Jahre leer, nacheinander drei Eigentümer bauten aus, bauten um, sanierten. Am 14. Oktober wurde dort ein Hotel eröffnet. Es heißt Chrome Cottage und hat 19 Zimmer –  im ersten Stock und im ausgebauten Dachgeschoss. In den drei Etagen dazwischen gibt es 18  Mietwohnungen. Auch diese eher ungewöhnliche Aufteilung resultiert aus der Geschichte.

Mirko May kennt das Haus, er wohnt selbst in Friedrichshain und ist der Hoteldirektor. „Wir wollen in unserem Haus einen familiären Rückzugsort vom grellen, lauten Berlin schaffen“, sagt er. May ist 25 Jahre alt, damit dürfte er einer der jüngsten Hoteldirektoren der Stadt sein. Bevor er das Haus übernahm, war er Barmanager im Hyatt am Potsdamer Platz. „Dort lernte ich Jesko Klatt kennen, der das Hotel gemeinsam mit zwei Bekannten entwickelt hat“, sagt er.  Klatt, der für seine Clubs und Event-Locations wie Spindler&Klatt oder The Grand bekannt ist, gewann  den Barkeeper für sein Hotelprojekt.

Der junge Chef  weiß um die Skepsis im Kiez. Eine Bürgerinitiative, die den Protest gegen „Exklusivität und Verdrängung“ anführte, ist inzwischen verstummt. „Einer der Protestler kommt sogar regelmäßig zu uns ins Restaurant, wo wir qualitativ Hochwertiges zu adäquaten Preisen anbieten“, sagt May. Ein Rinderfilet, das in Mitte 26 Euro koste, sei bei ihm für 19 Euro zu haben. Man wolle niemandem was wegnehmen, sondern eine Bereicherung für den Kiez sein, sagt er.

Die Gegend um den Boxhagener Platz ist ein Milieuschutzgebiet, Luxusmodernisierungen sind dort verboten. Zuwachs bei Hotels und Hostels soll es zudem nicht mehr geben.  Schon 2009 beschloss das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, keine Genehmigungen dafür mehr zu erteilen.

Davon abgesehen, dass ein Gericht diesen kategorischen Beschluss kassierte, kam er für das Eckhaus an der Simon-Dach-Straße  zu spät: Bereits ein Jahr vorher war fürs Erdgeschoss, die erste Etage und das ausgebaute Dachgeschoss eine Hotelnutzung genehmigt worden. Doch der damalige Eigentümer trickste und baute  das gesamte Haus zum Hotel um. Was das Bauamt erst  zwei Jahre später bemerkte und den Rückbau von drei Etagen zu Wohnungen anordnete.  Was folgte, war ein weiterer Eigentümerwechsel und die Entdeckung von Hausschwamm.  Die Bauarbeiten zogen sich weiter hin.

Untermieter Zalando

Doch jetzt ist alles fertig und der Baustadtrat Hans Panhoff (Grüne) sagt: „Eine grundsätzliche Verweigerung für ein Hotel wurde uns untersagt. Das Gericht bestimmte, dass eine gebiets-verträgliche Nutzung, also ein kleines Hotel mit weniger als 80 Zimmern, genehmigungsfähig ist.“ Der Bezirk fordert aber weiterhin einen Berliner Hotelentwicklungsplan, um Wildwuchs zu begrenzen.

Immerhin gibt es im Haus auch dringend benötigte Wohnungen. Allerdings sind sie sämtlich langfristig an das Modeunternehmen Zalando vermietet, das neue Mitarbeiter dort unterbringt.  Alle Wohnungen, heißt es bei Zalando, seien vermietet.