Das Wichtigste sei es, die Sicherheit in den Griff zu kriegen, sagt Lauritz Kurth. Die Kurth-Gruppe aus Düsseldorf ist seit Anfang April Eigentümer eines Großteils des RAW-Geländes an der Revaler Straße in Friedrichshain. Ihr gut 50.000 Quadratmeter großes Areal mit Clubs und Sportangeboten, aber auch mit vielen dunklen Ecken nahe dem S-Bahnhof Warschauer Straße gilt als Drogenumschlagplatz und Kriminalitätsschwerpunkt.

Bis Ende Oktober hat die Polizei dort und im Umfeld bei 350 Einsätzen mehr als tausend Strafanzeigen geschrieben und fast 400 Personen festgenommen. Am Mittwochabend stellte die Kurth-Gruppe dem Stadtentwicklungsausschuss des Bezirksparlaments Friedrichshain-Kreuzberg ihre Ideen für das Gelände vor.

Das Gelände soll auch tagsüber attraktiv werden

„Wir haben als erstes Müllecken aufgeräumt und Büsche gerodet, die als Drogenverstecke dienten“, sagt Lauritz Kurth. Als nächstes soll – in Abstimmung mit der Polizei – die Beleuchtung verbessert und eine Videoüberwachung installiert werden. Kurth: „Wir wollen dort keine Ballermannisierung und sind deshalb gegen die derzeitige nächtliche Monokultur der Clubs.“ Die Clubs sollen zwar bleiben, aber man wolle dafür sorgen, dass das Gelände auch tagsüber genutzt wird.

Zum Beispiel durch die Inbetriebnahme der alten Radsatzdreherei, einer 15.000 Quadratmeter großen ehemaligen Fabrikhalle. Diese weist erhebliche Schäden auf. Kurth: „Dort kommen neue Fenster rein und die Fassade wird ausgebessert.“ Man führe Gespräche mit einem Mieter aus dem musikalisch-künstlerischen Bereich, der eine 20-Stunden-Nutzung anbieten wolle.

Auch mit den aktuellen Mietern auf dem Gelände, mit den Betreibern der Clubs, des Kletterkegels, der Skaterhalle, des Theaters oder vom Kinderzirkus, sei man in Gesprächen. Sie alle sollen bleiben, langfristig. Den Projekten der Soziokultur, die sich im Verein RAW Tempel konzentrieren, habe man ein Mietvertragsangebot unterbreitet.

Neubauten an der Warschauer Straße geplant

Langfristig soll auch die Entwicklung des Geländes geschehen, mit Architektenwettbewerb und Anwohnergesprächen. Der Bezirk plant eine Art Mieterberatung für die Anwohner. An der Warschauer Straße sind Neubauten geplant, für Einzelhandel, Galerien, Büros oder Design-Manufakturen. An der Revaler Straße, in einem Gebäude, das derzeit als Lager dient, könnte eine Kita entstehen.

Und wo derzeit ein Getränkegroßhandel ist, könnte eine Markthalle mit Café und Galerie eingerichtet werden. Bis 2018 will der Bezirk einen Bebauungsplan aufstellen – für das gesamte RAW-Gelände. Aber dort gibt es neben der Kurth-Gruppe zwei weitere Eigentümer. Mit einem von ihnen sei man einig, hieß es. Den zweiten, dem das Gelände der ehemaligen Neuen Heimat im Ostteil gehört, muss man noch überzeugen. Er plant nämlich Wohnungen , aber die will der Bezirk dort nicht.