Berlin - Von einem nahenden Warnstreik bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) will man bei Verdi noch nicht sprechen. Von der Möglichkeit, dass es zu einer Arbeitsniederlegung kommt, jedoch schon. „Wir wollen eine Lösung am Verhandlungstisch herbeiführen“, sagte Jeremy Arndt, der für das größte Landesunternehmen zuständige Gewerkschaftssekretär, am Montag der Berliner Zeitung. „Aber wenn uns nichts anderes übrig bleibt, ist ein Arbeitskampf natürlich nicht ausgeschlossen.“ Am Donnerstag beginnen Tarifverhandlungen für die BVG.

Mit welchen Forderungen der Kommunale Arbeitgeberverband konfrontiert wird, hat die Verdi-Tarifkommission am Freitag festgelegt. An erster Stelle steht eine Forderung, die Verdi nicht zum ersten Mal für die BVG erhebt: „Arbeitszeitangleichung auf 36,5 Stunden bei vollem Lohnausgleich“. Rund die Hälfte der BVG-Belegschaft arbeitet 36,5 Stunden pro Woche. Die übrigen Beschäftigten sind mit 39 Stunden dabei. In einer Umfrage hätten viele dieser Mitarbeiter mitgeteilt, ihnen sei eine Verkürzung der Arbeitszeit wichtig, so Arndt. Die Umstellung soll „nicht von jetzt auf gleich“ stattfinden, betonte er. „Aber wir brauchen eine klare Perspektive über den Zeitplan.“

Eine weitere Führungskraft verlässt die BVG

Forderung Nummer zwei: Löhne und Gehälter sollen um fünf Prozent erhöht werden, mindestens um 150 Euro pro Monat. „Die Inflation ist hoch, die Kollegen brauchen einen Ausgleich“, erklärte Arndt. Auch für den öffentlichen Dienst der Bundesländer verlangt die Gewerkschaft fünf Prozent mehr Geld für die Beschäftigten.

Damit nicht genug: Sechs weitere Punkte stehen auf der Forderungsliste von Verdi für die mehr als 15.700 Beschäftigten der BVG und ihres Tochterunternehmens Berlin Transport. So sollen künftig alle Mitarbeiter 30 Tage Urlaub pro Jahr bekommen – derzeit haben viele nur einen Anspruch auf 28 Tage Auszeit. Auch die Jahressonderzahlung soll steigen. Derzeit gibt es 1600 Euro Weihnachtsgeld, in Zukunft soll im November ein volles Monatsgehalt zusätzlich ausgezahlt werden.

Ersten Schätzungen zufolge würde die Erhöhung der Löhne und Gehälter die jährlichen Personalkosten der BVG um rund 30 Millionen Euro steigern. Die übrigen Forderungen summieren sich laut BVG über vier Jahre gerechnet auf 500 Millionen Euro, das sind 125 Millionen Euro im Jahr. Eine spürbare Kostenerhöhung - „doch die BVG würde als Arbeitgeber attraktiver“, so Arndt. „Heute ist es oft schwierig, freie Stellen zu besetzen.“

Der Verdi-Sekretär hofft, dass die Tarifverhandlungen bis Ende November abgeschlossen werden. Dann wird der jetzige BVG-Vorstand Personal/Soziales, Dirk Schulte, das Unternehmen verlassen. Er wird dann einer von mehreren Führungskräften sein, die seit dem Antritt der neuen BVG-Chefin Eva Kreienkamp gegangen sind.