Autos und Mopeds brannten in einem überdachten Parkplatz unterhalb des Mietshauses an der Jahnstraße Ecke Buschkrugallee.
Foto: Eric Richard

Berlin - Fünf Tage ist es her, dass es an dem mehrgeschossigen Wohnhaus an der Jahnstraße Ecke Buschkrugallee in Neukölln gebrannt hat. Am Donnerstag erschien ein Statiker und machte das Gebäude wegen der Einsturzgefahr dicht. Nicht auszudenken, die Gefahr, in der die Bewohner vier Tage lang gelebt haben, sagten Polizisten am Freitag.

Ruß an der Fassade, Gestank vom Rauch im Hof, verbranntes Holz: Nach dem Großbrand sind die Spuren des Feuers noch allgegenwärtig. Die Statik des Gebäudes sei nicht mehr sicher, hat der Gutachter gesagt. Unklar ist, weshalb die Entscheidung des Fachmanns erst mehrere Tage nach dem Brand getroffen wurde. Stellungnahmen vom Bauamt sowie von der Hausverwaltung gab es am Freitag trotz mehrerer Versuche nicht.

Durch die Hitze von mehr als 1000 Grad Celsius könnten der Beton sowie auch die Stahlträger in Mitleidenschaft gezogen worden sein. Das müsse nun überprüft werden. Ob und wenn ja, wann die Mieter wieder ihre Wohnungen betreten dürfen, ist noch unklar.

Einige sind bei Verwandten untergekommen. Die anderen konnten eine Nacht im Hotel Estrel wohnen. Dort mussten sie allerdings am Freitag wieder raus. Sie sollen sich nun um ein Hostel kümmern, wurde ihnen am Donnerstag von einem Bezirksamtsmitarbeiter gesagt. Unklar ist, wer für die Kosten aufkommt. Polizisten sicherten am Freitag das Gebäude, um Plünderungen zu verhindern. Die Türen wurden am Nachmittag abgeschlossen.

Polizei geht von Brandstiftung aus

Das Feuer war am vergangenen Montagmorgen in einer offenen Garage direkt am Haus in der Jahnstraße ausgebrochen. Es brannten sechs Autos sowie mehrere Mopeds. Wegen des Rauchs mussten 100 Mieter von der Feuerwehr behandelt werden. Sechs Anwohner erlitten Rauchvergiftungen, darunter zwei Kinder. Die Polizei geht bis heute von vorsätzlicher Brandstiftung aus. Der Täter ist noch nicht gefasst.

Ein Anwohner hatte das Feuer in der Nacht bemerkt und die Einsatzkräfte alarmiert.
Foto: Pudwell

Erst im Dezember vergangenen Jahres hatte ein ehemaliger Mieter aus Frust mehrmals Feuer gelegt. Er sitzt in Untersuchungshaft. In dem Haus wohnen vorwiegend Familien mit mehreren Kindern. Die meisten haben einen Migrationshintergrund. Das weiß auch die Polizei und ermittelt auch wegen eines fremdenfeindlichen Hintergrunds. Man habe aber keinen konkreten Hinweis darauf, hieß es auch am Freitag aus dem Polizeipräsidium. „Wir ermitteln in alle Richtungen“, sagte ein Sprecher.

Es ist nicht der erste Fall von Brandstiftung in dem Bezirk: Seit Wochen treibt ein Brandstifter in Neukölln sein Unwesen und zündete rund um das Rathaus Autos an. Bislang ist es der Polizei nicht gelungen, den Feuerteufel dingfest zu machen. Die Polizei registrierte in den vergangenen Monaten auch die Zunahme rechts motivierter Brandstiftungen. So wurden in der Vergangenheit mehrfach Brandanschläge auf Personen oder deren Eigentum verübt, die sich gegen rechte Tendenzen im Bezirk öffentlich ausgesprochen hatten.