Clärchens Ballhaus ist in Berlin eine Institution.
Foto: BLZ/Markus Wächter

Berlin-MitteEs ist ein seltener Fall in Berlin: Die Betreiber von Clärchens Ballhaus, dem besonderen Tanztempel in Mitte, müssen gehen, weil ein Investor das Haus gekauft hat – doch zwischen den beiden Parteien gibt es keinen Streit, keine Zwietracht. Im Gegenteil: Der neue Besitzer Yoram Roth zieht den Hut vor dem Ehepaar Regehr. Und das Ehepaar Regehr, das sich auf dem Höhepunkt seines Erfolgs verabschieden muss, wünscht dem Neuen sportlich viel Glück. Einzig die hartgesottenen Fans der Regehrs, von denen es viele gibt, protestieren vielfach.

Normalerweise sieht das ganz anders aus, wenn Kulturinstitutionen in Berlin den Besitzer wechseln. Denn in der Regel kaufen Immobiliengesellschaften die Häuser als Spekulationsobjekte auf und wollen aus Immobilien das Maximum rausholen. So kämpften in Berlin in den vergangenen Monaten immer häufiger Theater, Galerien, Clubs und Kinos mit offenen Briefen, Crowdfunding-Aktionen und Demonstrationen gegen Immobilieninvestoren um ihre Existenz.

Neuer Besitzer muss sich jetzt beweisen

Dass der Abschied im Fall von Clärchens Ballhaus freundlicher läuft, dürfte mehrere Gründe haben: Erstens sind die Regehrs gelassene Menschen. Zweitens ist der neue Besitzer Yoram Roth Fotograf – und weckt nicht nur bei dem Bühnenbildner und der Tänzerin mehr Vertrauen als ein aktiennotiertes Unternehmen darin, den einzigartigen Charme des Hauses tatsächlich erhalten zu wollen.

Drittens und vor allem aber ist Roth Berliner – und an einer Institution wie Clärchens Ballhaus zu rühren, kann ein Berliner sich schlicht kaum leisten.   Roth wird sich in den nächsten Monaten beweisen müssen. Der Abschied der Regehrs aber ist beiden Seiten schon jetzt gelungen.