Berlin - Einen Tag nach dem schweren Unwetter in Berlin bleibt der Gleimtunnel im Ortsteil Gesundbrunnen vorerst gesperrt. Wann der Verkehr wieder durch die Unterführung in Berlin-Gesundbrunnen fließen kann, ist bislang völlig unklar, wie das Straßen- und Grünflächenamt (SGA) des Bezirks Mitte am Donnerstag mitteilte. Noch sei nicht abschließend geklärt, ob Schäden an Fahrbahn und Brücke entstanden sind. Viele parkende Autos wurden überspült, schoben sich übereinander und verkeilten sich teilweise.

Zusätzlich erschwert werden die Prognosen durch die verschiedenen Zuständigkeiten für den Tunnel: Während die Fahrbahn in der Verantwortung des SGA liegt, ist für die Brückenkonstruktion des Tunnels die Deutsche Bahn zuständig. Den Abtransport der havarierten Autos am Nachmittag wiederum koordiniert die Polizei. Die Höhe des allein im Gleimtunnel entstandenen Schadens war am Donnerstag ebenfalls noch nicht absehbar.

Das Unwetter mit Gewitter und Starkregen hatte am Mittwochnachmittag Berlin getroffen. Betroffen war nach Angaben der Feuerwehr fast der gesamte Südosten der Stadt mit den Bezirken Mitte, Pankow, Neukölln, Tempelhof, Köpenick und Schöneberg. Keller, Straßen und U-Bahnhöfe liefen voll, der öffentliche Nahverkehr brach teilweise zusammen. Die U2 musste wegen Wassereinbruchs zwischen Spittelmarkt und Stadtmitte unterbrochen werden, wie die BVG via Twitter mitteilte. Die Busse kamen zum Teil verspätet.

Ausnahmezustand für sechs Stunden

Die Berliner Feuerwehr hatte den Ausnahmezustand ausgerufen, der sechs Stunden - von 16 bis 22 Uhr - galt. Sie rückte nach eigenen Angaben mit 1000 Einsatzkräften mehr als 300 Mal aus.

Fast 1000 Blitzeinschläge bei Unwetter in Berlin

Bei dem Unwetter über Berlin sind fast 1000 Blitze eingeschlagen. Der Blitz-Informationsdienst des Elektrokonzerns Siemens registrierte 948 Einschläge. Das waren mehr als im ganzen Jahr 2015, in dem 884 Blitztreffer in der Bundeshauptstadt registriert wurden, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte.

Siemens nutzt für seine Aufzeichnungen rund 160 verbundene Messstationen in Europa. Sie registrieren jeden Blitz, der die Erde erreicht, egal ob Gebäude, Baum, Mast oder Boden. Der Ort des Einschlags lässt sich nach Angaben der Experten auf rund 200 Meter genau bestimmen. Seit 1991 analysiert Siemens die Blitzeinschläge. Die Informationen werden an Wetterdienste, Versicherungen und Industrieunternehmen weitergegeben. (dpa/BLZ)