Alles für die Leser: Nico Kramer, Senior Manager Einzelverkauf, Elke Penzel, Leiterin Marketing und Lesermarkt, und Ina Redlich, Studentin der Medien- und Kommunikationswissenschaft
Foto: Berliner Zeitung/Paulus Ponizak

BerlinDer Berliner Zeitungsmarkt gilt als der härteste in ganz Deutschland. In keiner anderen deutschen Stadt erscheinen drei Regionalzeitungen. Hinzu kommen zwei regionale Boulevardblätter, ein überregionales Boulevardblatt sowie drei überregionale Abonnementzeitungen. Auch das ist einmalig in der deutschen Medienlandschaft.

Besonders hart, ja beinah ruinös ist der Wettbewerb zwischen den Regionalblättern. Als das Unternehmerehepaar Silke und Holger Friedrich im vergangenen Jahr die Berliner Zeitung übernahm, hatte es drei Möglichkeiten: Es hätte weitermachen können wie bisher, was nicht eben geringe Verluste zur Folge gehabt hätte. Der Alteigentümer DuMont musste zuletzt etwa 60 Millionen Euro auf den Berliner Verlag abschreiben. Möglichkeit zwei bestand darin, die Qualität der Zeitung abzusenken, womit das Ehepaar halbwegs auf seine Kosten hätte kommen können.

Die Friedrichs verwarfen beide Optionen und entschieden sich für Möglichkeit drei: Sie verordneten der Berliner Zeitung eine Qualitätsoffensive und steckten deshalb einen namhaften Millionenbetrag in das Blatt. Sie investierten in Zeiten, in denen anderswo Redaktionen ausgedünnt werden, in neue Redakteure und in neue Themenschwerpunkte. Zudem steckten sie viel Geld in neue Technik. Die Überlegung dahinter war, dass Leser bereit sind, für ein hochqualitatives Blatt auch etwas mehr Geld auszugeben. Weil aber im Januar die Qualitätsoffensive noch ganz am Anfang stand, wurde auf die schon fast traditionelle Preiserhöhung der Berliner Zeitung zu Jahresanfang verzichtet.

Danach tauchten ein paar mehr oder weniger überraschende Hindernisse auf. Dass bei einem kompletten Austausch der Redaktionstechnik nicht immer alles so funktioniert, wie es funktionieren soll, war vorherzusehen. Dafür kann der Verlag seine Leser nur um Verständnis und Entschuldigung bitten. Gänzlich unvorhersehbar war dagegen die Corona-Krise. Sie führte dazu, dass die Berliner Zeitung von März bis Juni in reduziertem Umfang erschien.

Mit einer Steigerung der Umfänge, einem neuen Layout und einer neuen Wochenendausgabe konnte dann zum 1. Juli der Einzelverkaufspreis erhöht werden. Seither kostet die Berliner Zeitung am Kiosk zwei Euro. Die Wochenendausgabe ist für 2,50 Euro zu haben. Verzichtet wurde bei der Preisanpassung auf die bisher übliche Praxis, außerhalb von Berlin und Brandenburg einen höheren Preis zu verlangen.

Für eine Abonnementzeitung fallen die Abos besonders ins Gewicht. Und hier bleibt für die bisherigen Abonnenten alles beim Alten: Sie zahlen weiterhin monatlich 45,90 Euro für ihre Zeitung. Ein klein wenig teurer wurde es für Neu-Abonnenten, die nun monatlich 49,99 Euro berappen müssen. Dafür erhalten sie aber neben der gedruckten Ausgabe auch das E-Paper und unlimitierten Zugang zum Online-Angebot und zu der App. Übrigens liegt der Abo-Preis des direkten Wettbewerbers Tagesspiegel mit monatlich 59,90 Euro immer noch deutlich über dem, den die Berliner Zeitung ihren Neu-Abonnenten in Rechnung stellt.

Besonders wichtig für den Verlag ist aber, dass er seit Mitte Juni auch mit seinen digitalen Angeboten Geld verdient. Bisher hatte die Berliner Zeitung online ihre Inhalte quasi verschenkt. Damit ist nun Schluss. Um die Leser nicht zu überfordern, bleibt ein gewisses Quantum an Online-Texten frei zugänglich. Überschreitet ein Nutzer dieses Quantum, wird er zunächst gebeten, sich zu registrieren. In einem zweiten Schritt erhält er die Aufforderung, ein Abo abzuschließen.

Dabei kann er zwischen vier Tarifen wählen. Der günstigste liegt bei 9,99 Euro monatlich und beinhaltet das komplette Online-Angebot sowie die App. Für 29,99 Euro gibt es zusätzlich noch das E-Paper. Wer monatlich 39,99 Euro investieren will, erhält auch noch die gedruckte Wochenendausgabe frei Haus. Und für 49,99 ist das Komplett-Abo einschließlich aller gedruckten Ausgaben zu haben.

Ob online oder in Print: Unabhängiger Journalismus und Qualität haben nun mal ihren Preis.