BerlinWer wegen seiner dunklen Hautfarbe oder seiner sexuellen Orientierung angepöbelt wird oder wegen einer Behinderung einen Job nicht bekommt, hat jetzt in Berlin eine weitere Möglichkeit, sich zu wehren: Man zückt sein Handy und öffnet eine neue Antidiskriminierungs-App, die die Stadt entwickelt hat. Wer das Gefühl hat, diskriminiert worden zu sein, kann seit Mittwoch auf diesem Wege melden, was er oder sie erlebt oder beobachtet hat. Seinen Namen muss man dabei nicht angeben.

Die App ist ein Angebot der Landesstelle für Gleichbehandlung. Diese ist bei der Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung von Senator Dirk Behrendt (Grüne) angesiedelt.

Verfügbar ist die App in sieben Sprachen – in Deutsch, Englisch, Arabisch, Farsi, Französisch, Russisch und Türkisch. Sie vermittelt Betroffene an Organisationen, die beratend und helfend tätig werden können. Außerdem kann die App Organisationen finden, die entsprechende Vorfälle zählen. Wer zum Beispiel eine gesprühte antisemitische Parole entdeckt, kann sie fotografieren und per App an die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) weiterleiten.

Behrendts Sprecher Sebastian Brux widersprach am Mittwoch dem Eindruck, es handele sich um eine Denunziations-Anwendung, ähnlich wie die Falschparker-App. Mit letzterer können Autofahrer bei den Ordnungsämtern anonym angezeigt werden. „Die Antidiskriminierungs-App bündelt lediglich Beratungsangebote und vermittelt an diese weiter“, sagte Brux.

Die Entwicklung und die technische Umsetzung der App hätten 98.538,44 Euro gekostet, sagte der Sprecher auf Anfrage dieser Zeitung. Die Kosten für den aufwändigen Werbespot seien nicht darin enthalten.

Bernd Schlömer, netzpolitischer Sprecher der FDP, nannte die App einen Fall für den Landesrechnungshof. Fragen, wie die Authentizität des Meldenden und wie Missbrauch verhindert wird, würden nicht beantwortet.

Die „AnDi-Antidiskriminierungsapp“ ist seit diesem Mittwoch im App-Store von iOS und für Android bei Google Play kostenlos verfügbar.