Leipziger Straße 27/28, Ecke Friedrichstraße, Aufnahme vor 1900. Noch rollt hier die 1865 in Berlin eingeführt Pferdebahn.Bis Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Netz auf elektrischen Betrieb umgestellt.
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Berlin-MitteNiemand käme heutzutage auf die Idee, die Leipziger Straße als schön und eines gemütlichen Bummels würdig zu beschreiben. Nicht mehr nachzuvollziehen ist die Begeisterung, die der Straßenzug über mehr als 200 Jahre bei Zeitgenossen auslöste. „Mit Vergnügen betrachten Einheimische und Fremde diesen schönen Theil unserer Hauptstadt. Sie ist die regelmäßigste, geradeste und prachtvollste ihrer Straßen“, schrieb zum Beispiel der Lexikonverfasser Leopold Freiherr von Zedlitz 1834.

Der Schriftsteller Friedrich Nicolai sagte 50 Jahre zuvor in seiner Beschreibung Berlins: „Sie ist voll ansehnlicher Häuser und Paläste.“ Damals was die Leipziger noch eine reine Wohnstraße. Nach 1870 begann dann der Aufstieg der Leipziger Straße zur bedeutendsten Einkaufs- und Geschäftsstraße der entstehenden Metropole. Große Warenhäuser wie Wertheim und Tietz

Kaufen und Kultur

Der Schriftsteller Friedrich Nicolai sagte 50 Jahre zuvor in seiner Beschreibung Berlins: „Sie ist voll ansehnlicher Häuser und Paläste.“ Damals was die Leipziger noch eine reine Wohnstraße. Nach 1870 begann dann der Aufstieg der Leipziger Straße zur bedeutendsten Einkaufs- und Geschäftsstraße der entstehenden Metropole. Große Warenhäuser wie Wertheim und Tietz sowie exklusive Läden ersetzten die alten, barocken Bauten.

In den 1860er-Jahren lockte ein neues Concerthaus Besucher an – ab 1867 wurde dieses zum ersten Aufführungsort des Vorgängerorchesters der Berliner Philharmoniker, des Bilse-Orchesters. Von 1871 bis 1894 tagte an der Leipziger Straße 4 das Parlament des Deutschen Kaiserreichs. 1882 gingen in der Leipziger Straße die ersten elektrischen Straßenlaternen der Stadt an. 1929 eröffnete an der Ecke Friedrichstraße das Moka Efti, das bedeutendste Tanzlokal Berlins in der Zeit der Weimarer Republik.

Blick in die Leipziger Straße im Jahr 1897 in der Vor-Auto-Ära. Am unteren Bildrand  mehrere Pferdebahnen, Vorläufer der Straßenbahn Berlin. 
Foto: Wikipedia/Waldemar Titzenthaler

 Kein Wunder, dass schon damals reichlich Verkehr durch die Straße strömte. Um die Jahrhundertwende führten 19 Straßenbahn- und drei Omnibuslinien durch die belebte Straße, nunmehr die wichtigste Ost-West-Verbindung der Stadt. „An den Kreuzungspunkten stauen sich die Straßenbahnen nicht selten derart, dass deren Verlegung unter den Straßendamm vorbereitet wird“, teilt der Baedecker (Handbuch für Reisende) für Berlin von 1908 mit.

Die Teilung Berlins am 1. August 1949 und dann der Mauerbau durchschnitten die Ost-West-Achse. Zunächst rollte die Linie 74, für einige Zeit noch gemeinsam von BVG-Ost und BVG -West betrieben, durch die Bombentrümmerlandschaft Leipziger Straße weiter über den Potsdamer Platz, am Polizei- und Ampelturm vorbei, Richtung Lichterfelde. Doch schon in den 1950ern, Jahre vor dem Mauerbau war der Verkehr unterbrochen. Wer vom Potsdamer Platz weiterfahren wollte, musste zu Fuß über den Platz laufen, die Kontrollen passieren, um dann im Westen in eine Straßenbahn mit derselben Liniennummer weiterzufahren.

Tram statt Autos

Mit dem Mauerbau im August 1961 kam die vollständige Blockade. Für den Ostteil geben historische Fahrpläne für die Linie 74 der BVG-Ost folgenden Linienverlauf an: Weißensee (Pasedagplatz) - Greifswalder Straße - Alexanderplatz - Stralauer Straße - Molkenmarkt - Mühlendamm - Spittelmarkt - Leipziger Straße - Leipziger Platz. Die Strecke durch die Leipziger Straße zwischen Spittelmarkt und Leipziger Platz wurde am 24. August 1970 auf Omnibusbetrieb umgestellt.

Doch seit 20 Jahren liegen dort wieder stellenweise Gleise und die Verkehrsverwaltung will tatsächlich auch wieder bahnen darauf verkehren lassen. Ende Februar 2020 vorgestellte Pläne sehen die neuerliche Verlängerung des Straßenbahnbetriebes vom Alex zum Potsdamer Platz vor - was den Platz für Autos schmälert.