In einem Club ist große Lautstärke erwünscht. Sie sollte aber nicht nach außen dringen.
Foto: Benjamin Pritzkuleit

BerlinWilhelm Busch wusste noch nichts von basslastiger Clubmusik, als er diese Verse schmiedete: „Musik wird oft nicht schön gefunden,/ Weil sie stets mit Geräusch verbunden.“ Aber diese Worte gelten gerade heute, wenn Nachbarn unter der Musik leiden, die sie als Krach empfinden. Sie beschweren sich, und das kann zur Schließung eines Tanztempels führen. Weil die Clubszene aber als wichtiger Wirtschaftsfaktor für Berlin zählt, fördert das Land Berlin Lärmschutzinstallationen in den Clubs.

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) ließ jetzt die bisherigen Maßnahmen bekannt geben. Insgesamt seien seit dem Start der Förderung Ende November 2018 von 28 Anträgen 13 positiv beschieden worden, es wurden insgesamt 655.000 Euro bewilligt. Drei Anträge wurden abgelehnt oder zurückgezogen, zwölf sind noch in Bearbeitung bei einer Jury der Clubcommission, der Interessenvertretung der Betreiber.  

Betreiber müssen dazuzahlen

Die Musikbrauerei in Prenzlauer Berg beispielsweise erhält unter anderem für den Einbau von Schallschutz-Türen und -Fenstern 50.000 Euro, musste knapp 13.000 Euro selbst beisteuern. Das Golden Gate in Mitte will unter anderem die Abluftanlage schalldämpfen und die Fassade abdichten. Dafür gibt es über 36.000 Euro bei gut 9.000 Euro Eigenanteil. Das Kreuzberger SO 36 muss unter anderem Teile seiner Wände mit einer Lärmschleuse „umhausen“, weil es trotz bereits erfolgter Maßnahmen immer noch Beschwerden aus der Nachbarschaft gibt (Kosten: 54.000 Euro, 44.000 Euro Förderung).


Förderbeispiele

  • Der Klunkerkranich auf dem Parkhaus der Neukölln Arcaden muss nach Beschwerden für 56.000 Euro den Schallschutz verbesserrn und wird dafür mit 45.000 Euro gefördert.
  • Das Golden Gate in einem Stadtbahnbogen an der Schicklerstraße bekommt 36.000 Euro dazu, um unter anderem neue Schallschutzfenster einzubauen. Eigenanteil: 9.000 Euro
  • Das Panda Theater auf dem Gelände der Kulturbrauerei Prenzlauer Berg muss auf 50.000 Euro Förderung noch warten, weil es den Eigenanteil von 16.000 Euro nicht aufbringen kann.

Grundsätzlich gilt, dass die Förderung pro Club 50.000 Euro nicht übersteigen darf. Die Betreiber müssen zwischen zehn und zwanzig Prozent der nötigen Investitionen selbst tragen, und zwar mehr, je größer die beantragte Unterstützung ist. Um Missbrauch zu vermeiden, fließen die Fördergelder auch erst von dem Moment an, in dem die Eigenmittel für die Baumaßnahmen aufgebraucht sind.

Fördermittel in Raten

Die Fördermittel werden weiterhin nicht auf einen Schlag überwiesen, sondern in Raten und nur dann, wenn sie in den nächsten beiden Monaten für die Begleichung von Rechnungen benötigt werden. Schließlich wird nur weiter gezahlt, wenn die Verwendung der vorigen Rate ordentlich nachgewiesen wurde.

Ramona Pop erklärte die Motivlage für das Programm so: „Wir wollen die lebendige Clubkultur in der Hauptstadt erhalten und die berechtigten Interessen der Anwohnerinnen und Anwohner mit der Berliner Clubszene in Einklang bringen. Daher unterstützen wir auch 2020 und 2021 die Clubszene finanziell.“ Mit dem Doppelhaushalt für 2020 und 2021 werde das   Programm fortgesetzt, pro Jahr stünden 500.000 Euro zur Verfügung.

Nutzen aus der Musikszene

Die Lärmschutz-Förderung in Berlin hat sich mittlerweile in Deutschland und Europa herumgesprochen. Laut Wirtschaftsverwaltung sind Barcelona und Köln dabei, für sich Varianten des Berliner Anti-Lärm-Programms zu erarbeiten, in München und der litauischen Hauptstadt Vilnius gibt es Forderungen, es Berlin nachzutun.

Denn viele Orte wollen ähnlichen Nutzen aus der Musikszene ziehen wie Berlin, das mit rund 700 Veranstaltungsorten und Veranstaltern gutes Geld verdient. Laut einer Studie der Wirtschaftsverwaltung bieten die Clubs pro Jahr fast 58.000 Veranstaltungen an. 2017 erzielten sie einen Umsatz von 168 Millionen Euro. Jeder Club-Tourist gab laut der Studie im Schnitt weitere 60 Euro bei seinem Berlin-Aufenthalt aus.

Rund drei Millionen Touristen, damit etwa jeder dritte, komme wegen der Clubkultur in die Stadt. Die Szene generiere so insgesamt einen Jahresumsatz von 1,48 Milliarden Euro für die Stadt und beschäftige außerdem rund 9.000 Menschen.