In Berlin wohnen Tausende Amerikaner und Briten. Kein Wunder - die Mieten sind im Vergleich zu ihrer Heimat günstig, die Start-up-Branche boomt, und an jeder Ecke bieten Spätis rund um die Uhr Bier, Chips und Zigaretten zu bezahlbaren Preisen an. In angesagten Bezirken wie Kreuzberg muss man sein Bier inzwischen schon auf Englisch bestellen: Etwa im Room 77, in der Fabelhaft Bar oder in der Burger-Bude Hamburger Heaven im Gräfekiez. Aber wo gehen die zugezogenen Dauer-Touristen eigentlich selbst aus, wenn es mal nicht die eigenen Läden sind?

Derzeit kursieren zwei Insider-Listen im Netz: Die britische "Daily Mail" und die "New York Times" empfehlen jeweils ihre ganz geheimen Berliner Hot-Spots. Ich bin gespannt! Werde ich etwas Neues über meine Heimat erfahren, etwas womit ich beim nächsten Ausgehen angeben kann? Welcher Späti hat im Hinterraum einen Flipper? Welche Bar saugt einen noch schneller auf als die Kreuzberger Mini Bar? Wo kriege ich den wirklich besten Burger der Stadt?

Für die "Daily Mail" trägt das in Berlin lebende britische DJ-Duo Tough Love seine „ultimate insider tips“ zusammen. Sie empfehlen die Stadt vor allem als „hottest emerging music scene in Europe“. Natürlich werden die Ausgeh-Klassiker für Freunde elektronischer Beats genannt: Berghain, Watergate, Wilde Renate, Ritter Butzke. Wo man die „sexiest persons“ findet? Im Kit Kat. Wo man die tollsten Promis trifft? Im Soho House. Die beste Bar? Der Klunkerkranich. Der Geheimtipp („best bar that no one knows about“): Das Prinzipal Kreuzberg in der Oranienstraße.

Keine Neuentdeckungen, Rohdiamanten oder Perlen des Nachtlebens. Kennt man alles. Und beim Soho House sollte man als Tippgeber vielleicht auch dazu sagen, dass hier nur Clubmitgliedern Zugang gewährt wird. Auch der Mauerpark als „chill out stop“ überrascht genauso wenig wie die Streetfood-Stände in der Markthalle Neun.

Während dort ohnehin das englische Stimmengewirr dominiert, gibt es auch eine Kategorie für "Orte, wo man echte Berliner trifft": Im Volkspark Friedrichshain und auf dem Tempelhofer Feld. Der Berliner entspannt also am liebsten in Grünanlagen. Vielleicht, weil er dort seine Ruhe hat.

Nicht fehlen darf im Berlin-Gepäck der Briten übrigens "dicker Parka, Handschuhe und bequeme Schuhe". Puh! Schauen wir uns also die Tipps der "New York Times" an. Diese lässt gleich sechs Autoren für die Berlin-Folge der Reihe „36 Hours“ antreten. Im August sind sie durch die Stadt gezogen und haben folgendes festgestellt: „The parks fill with techno D.J.s, nudists and picnicking families“.

Ja, wirklich? Wenn man alle Berliner Parkanlagen zusammennimmt, dann vielleicht. Aber wenn ich mir die Hasenheide anschaue... Nicht, dass die Big-Apple-Besucher enttäuscht sind, wenn sie auf junge Mütter treffen, die einen Kinderwagen schieben. Oder alte Männer, die Boulekugeln werfen. Oder Drogendealer, die gelangweilt im Kies scharren. Echte Berliner eben.

Auch bei den Empfehlungen der New Yorker Berlin-Insider fehlt ein echter Geheimtipp. Nach dem Klunkerkranich, der Gemäldegalerie und dem Türkischen Markt am Maybachufer wird die „Neue Deutsche Küche“ empfohlen. Das Nobelhart & Schmutzig, knallhart regionale Küche und ein Steinzeit-Brunch im Sauvage. Endlich: Der Paleo-Pancake. War ja klar. Schließlich kommt der Vegan- und Paleotrend aus den USA. Bye, Bye Burger!

Eines steht übrigens für Amis wie Briten gleichermaßen fest: „Berlin is super cheap to party“.