Berlin - Die Berliner gelten als frech, hitzig, experimentierfreudig – und mit Sicherheit auch als feierlustig. Für Partys nun bietet das kommende Jahr die besten Voraussetzungen: Immerhin wird Berlin 775 Jahre alt. Aber eine große Feier ist nicht geplant. Das Jubiläum sei ein „Anlass, auf die Geschichte der Stadt zurückzuschauen“, sagte am Montag Senatssprecher Richard Meng.

Die Feiern zum Stadtjubiläum werden von der landeseigenen Kulturprojekte Berlin GmbH organisiert, und sie werden längst nicht so üppig und pompös ausfallen wie vor 25 Jahren in der damals noch geteilten Stadt. Einen großen Festumzug zum Beispiel wird es dieses Mal nicht geben.

Blick auf die Wurzeln

Vielmehr setzt der Senat auf Open-Air-Ausstellungen, die eher bescheiden wirken und wohl nicht den großen Ansturm von Touristen auslösen werden.

Ab August 2012 werde man den Berlinern die „mittelalterlichen Wurzeln zeigen“, sagt Moritz van Dülmen, Geschäftsführer der Kulturprojekte. Spektakuläre archäologische Funde kann man dann vielleicht an der Breiten Straße in Mitte besichtigen, dort wird ab 2012 nach alten Bürgerhäusern gebuddelt. Die anderen Ausstellungsorte hingegen wie die Klosterruine samt Resten der Stadtmauer an Kloster- und Waisenstraße, die Marien- und die Nikolaikirche sind hinlänglich bekannt. Ebenso die Ausgrabungen Großer Jüdenhof und Schlossplatz. Wie van Dülmen sagt, wolle man diese Stätten einem breiteren Publikum zugänglich machen. Auch soll erklärt werden, wie die Orte, etwa das Klosterviertel und der Petriplatz, einmal gestaltet werden.

Zur 750-Jahr-Feier hatten die Macher in Ost und West dagegen einen sehr ausgeprägten Darstellungsdrang: Im geteilten Berlin des Jahres 1987 wollte jede Seite die andere übertrumpfen. Im eingekesselten West-Berlin etwa wurde die Internationale Bauausstellung veranstaltet. Der Breitscheidplatz und der Rathenauplatz wurden neu gestaltet, die Kongresshalle im Tiergarten nach langer Rekonstruktion wieder eröffnet und das 42 Meter hohe Carillon mit 68 Glocken eingeweiht. Im Osten ließ die DDR den Französischen Dom am Gendarmenmarkt samt Glockenspiel mit 60 Glocken rekonstruieren. Und rings um das älteste Bauwerk Berlins, die Nikolaikirche (um 1230), wurde das Nikolaiviertel mit engen Gassen und Straßenpflaster, mit einigen historischen Fassaden und vielen Plattenbauten wieder aufgebaut.

Berlin: die Stadt der Zuwanderer

Derartige Vorhaben gibt es für 2012 nicht. Berlin wird sich aber als Stadt der Zuwanderer präsentieren, sagt der Senatssprecher. Ob Hugenotten, Böhmen, Wanderarbeiter oder Juden aus Osteuropa – die Stadt war über Jahrhunderte Anziehungspunkt für Auswanderer, Flüchtlinge und Vertriebene. Seit dem Mauerfall seien 1,5 Millionen Menschen ein- oder ausgewandert.

Höhepunkt des Jubiläumsjahres soll ein Festakt am 28. Oktober in der Nikolaikirche sein. Lichtinstallationen und historische Musik soll es im Nikolaiviertel geben, was einen Hauch von Mittelalter-Atmosphäre erzeugen soll. Aber auch das ist nicht neu – in dem Viertel findet schon seit Jahren das Geschichtsfestival Historiale statt.