90. Prozesstag im Fall Bushido vs. Abou-Chaker: Hörspielstunde im Gerichtssaal

Am 90. Tag im Verfahren um Bushido und Arafat Abou-Chaker geht es um Tonaufnahmen, die letzterer gemacht haben soll. Sie führen zu Strafanträgen.

Anis Mohamed Youssef Ferchichi, bekannt als Rapper Bushido.
Anis Mohamed Youssef Ferchichi, bekannt als Rapper Bushido.Paul Zinken/dpa

Zu Beginn des Hörspiels regt sich Arafat Abou-Chaker hörbar darüber auf, dass er angehalten wird. Es gehe um fehlende Kindersitze. „Die seien aber doch da“, ruft er. Ein Polizist sagt, Abou-Chaker sei aber in einem „kriminalitätsbelasteten Bereich“ unterwegs. Bei der Aussprache verhaspelt er sich. Abou-Chaker vermutet Schikane der Polizei und wirft das den beiden Beamten auch lautstark vor. „Wollt ihr ein Autogramm?“, sagt er. „Habt ihr mich deswegen angehalten?“, sonst sei die Kontrolle ja Zeitverschwendung, sagt Abou-Chaker zum Ende der Aufnahme.

Böse Zungen könnten behaupten, dieser 90. Gerichtstag im Prozess gegen die vier Brüder der Abou-Chaker-Familie sei auch genau das: Zeitverschwendung. Dabei gehört dieses Hörspiel zum unterhaltsamsten Teil des Prozesses, der an diesem Montag im Saal 500 des Landgerichts stattfindet. Zu hören ist die Tonaufzeichnung einer Polizeikontrolle, die der Angeklagte Arafat Abou-Chaker in seinem Auto ohne das Wissen der Polizisten mitgeschnitten haben soll.

Die Hauptsache des Verfahrens wurde zumindest an diesem Montag nicht behandelt: Am 18. Januar 2018 sollen Arafat Abou-Chaker und seine drei Brüder Nasser, Yasser und Rommel den Rapper Bushido bei einem Streit erpresst, eingesperrt und verletzt haben. Unter anderem eine gefüllte Wasserflasche und einen Stuhl sollen die Brüder dem Musiker an den Kopf geschleudert haben. Das war die mutmaßliche Reaktion darauf, dass Bushido seine engen Geschäftsbeziehungen zu Abou-Chaker nach vielen Jahren lösen wollte.

Insgesamt werden am Montag zwölf Tonaufnahmen im Gerichtssaal abgespielt, die Abou-Chaker aufgenommen haben soll. Es geht um steuerliche Sonderabschreibungen, Denkmalschutz und geplante, aber abgesagte Touren von Bushido. Polizeibeamte sind auf vier Aufnahmen zu hören. Zweimal wurde Abou-Chaker offensichtlich zu Zeugenaussagen geladen, zweimal geriet er im Auto in Polizeikontrollen.

Eine andere Aufnahme ist kaum zu verstehen, worum es inhaltlich geht, bleibt unklar. Das merkt auch der Anwalt der Abou-Chakers, Hansgeorg Birkhoff, an. Der Vorsitzende Richter sagt: „Das hat ja anscheinend Ihr Mandant aufgenommen. Er hätte ja auch dafür sorgen können, dass es verständlicher ist.“ Das sorgt für einen kurzen Moment der Heiterkeit an diesem eher ereignisarmen Tag im Gerichtssaal 500.

Strafanträge gegen Abou-Chaker

Wie an sämtlichen Verhandlungstagen in der Sache sind die vier Brüder Arafat, Yasser, Nasser und Rommel vor Ort. Sie wirken ruhig, tragen lockere Pullover, Arafat ein T-Shirt. Zwischendurch zieht er sich eine dicke Jacke an, im Gerichtssaal ist es kalt. Bushido ist nicht anwesend, er ist laut RTL-Doku, die derzeit läuft, nach Dubai umgezogen. Ihn vertritt nur sein Anwalt Steffen Tzschoppe. Der meldet sich auch nur einmal zu Wort, um Birkhoff zu berichtigen. Der hatte gesagt, dass aus einer der Aufnahmen hervorginge, dass Bushido doch mehr über einen Hauskauf in Rüdersdorf wusste, als er ausgesagt hatte.

Zum Schluss liest der Richter die Strafanträge vor, die aus den Tonaufnahmen ergingen. Abou-Chaker hätte die Belauschten ohne deren Wissen aufgenommen. Es geht also um die Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes nach Paragraf 201 Absatz 1 und 2 des StGB. Abou-Chaker nimmt das ohne Widerworte hin und verlässt, nachdem der Richter den Termin beendet, zügig den Saal. Seine Jacke hat er ja schon an.