Bildungssenatorin Sandra Scheeres wirkt ratlos. 
Foto: Christian Ditsch

BerlinGute Bildung für alle? Nicht zu haben in Berlin. Funktionierende Verwaltung, einfach elektronisch zu erledigende Formalien? Vielleicht im Jahr 2030. Vergleicht man die Effizienz der Verwaltung europäischer Hauptstädte miteinander, wie es das DIW vergangene Woche tat, rangiert nur noch Rom hinter Berlin. Die Qualität der wichtigen Dienstleistungen wird immer schlechter bewertet. Prag und Warschau bieten die bessere ökonomische Teilhabe; Lissabon führt das Toleranzranking an. Dabei bildet sich Berlin doch ein, eine moderne Metropole zu sein.

Das Ergebnis der DIW-Studie spiegelt sich in der jüngsten Forsa-Umfrage: 59 Prozent der Berliner urteilen, dass die rot-rot-grüne Koalition die Stadt nicht vorangebracht hat. Etwas mehr als die Hälfte traut keiner Partei die politische Kompetenz zu, Berlin so zu reagieren, dass das Gemeinwesen vorankommt.

Orientierunsglosigkeit der Parteien 

Ein besorgniserregendes Misstrauensvotum. Es gibt viele Erklärungen dafür, aber eine steckt hinter fast jedem der großen Probleme: Die Parteien, jede für sich, betreiben im wesentlichen Klientelpolitik statt sich konsequent am Gemeinwohl zu orientieren: Linke behindern den Wohnungsbau, wenn er Anwohner stört. Grüne legen dem Verkehr gerne große Steine in den Weg. Sozialdemokraten wissen auffällig oft nicht so genau, wer ihre Klientel eigentlich noch ist.

Jeder pflegt seine Identitätsgrüppchen, gerne auch gegen die Mehrheit: Gendersternchen, feministische Pornos, Geheimverfahren für Straßenumbenennung. Splitterpartei mal drei ergibt zwar eine rechnerische Mehrheit, aber keine gemeinsame Linie. Berlin zerfranst – und bleibt doch attraktiv. Denn wer erst kommt, hat ja noch keine Ahnung, was ihm blüht.