Zu große Frucht? Ein Apfelbaum im Rinchnacher Weg.
Bild: BLZ/Volkmar Otto

BerlinIn Karlshorst sorgt eine skurile Geschichte für Aufsehen. Der Schauplatz: Eine idyllische Straße in einer jungen Eigenheimsiedlung. Hier stehen fünfzehn Apfelbäume, die zwar gesund sind, aber dennoch bald abgeholzt werden sollen, um endlich Platz zu machen für ... fünfzehn neue Apfelbäume.

Willkommen im Rinchnacher Weg in Karlshorst. Eine ruhige Straße, schmucke Einfamilienhäuser, als Teil des Bauprojektes „Gartenstadt Karlshorst“ seit 2012 errichtet. Weil zum Garten auch Obst gehört, säumen fünfzehn Apfelbäume den Weg, erst im Sommer gab es reiche Ernte. Vor kurzem bekamen die Anlieger dann ein seltsames Schreiben zugeschickt.

15 Apfelbäume stehen im Rinchnacher Weg in Karlshorst.
Foto: BLZ/Volkmar Otto

Hier informiert die zuständige Firma, die WPK Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH, über die bevorstehenden „Arbeiten zum Austausch der Bäume in Ihrer Straße“.

„Anlass dieser Maßnahme ist die Nichtabnahme der gepflanzten Apfelbäume durch das Grünflächenamt, da statt der geplanten Wildäpfel mit sehr kleinen Früchten tatsächlich Apfelbäume mit großen Früchten gepflanzt wurden. Diese großen Früchte sind wegen des Fallobstes eine Gefahr für die geparkten Autos und ein Reinigungsproblem.“ Zuerst, heißt es, kämen die alten Bäume weg, schon Tage später sollten dann entlang der Straße neue Apfelbäume gepflanzt werden.

Henrik Schwarz versteht die Aufregung um die Apfelbäume in Karlshorst nicht.
Foto: BLZ/Volkmar Otto

Den Anwohnern gefällt dieses Vorhaben jedoch gar nicht. „Wir wollen unsere Apfelbäume behalten“, sagt Henrik Schwarz (45). Der Familienvater lebt seit drei Jahren in einem der Häuser, wurde von dem Schreiben unangenehm überrascht. „Wie alle anderen Anlieger auch. Es ist völliger Quatsch, gesunde Bäume abzuholzen, um neue zu pflanzen.“

Auch Henry Heller (43), der gegenüber wohnt, schüttelt den Kopf. „Da sieht man wieder, was in Berlin für ein Irrsinn betrieben wird.“ Schon am Montag rückten Mitarbeiter einer beauftragten Firma an, um mit den Arbeiten zu beginnen – Anwohner Tony Mohr (50) hielt sie auf. „Selbst die verstanden nicht, wieso die Bäume weg sollen“, sagt er.

Anwohner Tony Mohr hat gleich zwei Apfelbäume vor dem Haus.
Foto: BLZ/Volkmar Otto

Eine Anfrage der Berliner Zeitung an die zuständige Firma blieb bislang unbeantwortet. Aber: Laut Anwohnern sieht man in den Äpfeln eine Gefahr für Leib und Leben – in zweierlei Hinsicht. „Wenn ein Apfel vom Baum fällt und mit Spitzengeschwindigkeiten durch das Blätterdach auf ein Auto knallt, könnten Schäden entstehen“, sagt Schwarz und lächelt. „Allerdings gibt es Baumscheiben, es kann kein Auto unter den Bäumen stehen.“ Der Apfel müsste also schon ziemlich weit vom Stamm fallen.

Anwohner wollen Abholzen der Apfelbäume verhindern

Auch die Gefahr für Fußgänger fällt gering aus – denn Fußgängerwege unter den Bäumen gibt es nicht. Es könnte jemand auf einem Apfel ausrutschen. „Aber ich sage mal so: Wir haben die Äpfel in den letzten Jahren eingesammelt und weggeräumt. Ich weiß nicht, warum sie plötzlich zur Gefahr werden sollten“, sagt Heller.

Die Anwohner haben sich jetzt zusammengetan, um das Abholzen zu verhindern. Sie sammelten Unterschriften – und bieten an, Baumpatenschaften zu übernehmen. „Wir kümmern uns um die Bäume, beschneiden sie und reinigen auch die Wege“, sagt Schwarz. „Uns wurde noch ein Aufschub bis Mittwoch gewährt, dann muss eine Lösung her.“ Und wenn die Bäume doch fallen? Dann können sich die Anwohner bald über eine besonders tolle botanische Bereicherung freuen. „Die neuen Apfelbäume sind Marke Holzapfel, ungenießbar und sogar noch härter als die jetzigen“, sagt Henrik Schwarz.