Schule ohne Schüler: Das Coronavirus beschert vielen Berlinern mit einem Schlag schulfrei.
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BerlinPlötzlich geht alles ganz schnell: Berlin schließt ab Montag gestaffelt seine Schulen und Kitas.

Los geht es mit den Oberstufenzentren, Dienstag sind Kitas und die allgemeinbildenden Schulen – Grundschulen, Gemeinschaftsschulen, Integrierte Sekundarschulen, Gymnasien, Förderschulen – dran. Inzwischen haben alle deutschen Bundesländer flächendeckende Schulschließungen beschlossen. Noch am Donnerstagabend hatte Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) sich auf die Untersagung von Exkursionen, Ausflügen und Schülerfahrten ins Ausland beschränkt und empfohlen, Konferenzen und Versammlungen an Schulen abzusagen.

Kitas und Schulen bleiben bis zum Ende der Osterferien, also bis einschließlich 19. April geschlossen. Aber nicht für alle: In einer Pressekonferenz des Senats am frühen Freitagabend erklärte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD), es werde ein „Notsystem“ errichtet zur Betreuung der Kinder von Eltern, „die wir zur Aufrechterhaltung der lebensnotwendigen Systeme dringend an ihrem Arbeitsplatz brauchen.“ Welche Berufsgruppen das im Einzelnen sind, will der Senat allerdings erst am Montag bekannt geben.

Neben medizinischem Personal werden dazu wohl auch Polizei und Feuerwehr sowie Menschen gehören, die an zentralen Schaltstellen in der Infrastruktur sitzen – zum Beispiel in der Strom- und Wasserversorgung .

Not-Kitas für Krankenhäuser

Die Notversorgung im Kitabereich soll laut Bildungssenatorin Sandra Scheeres 15 Prozent des bisherigen Angebots abdecken. Dazu sei man „in intensiven Gesprächen mit den Trägern“, so Scheeres. Der Fokus liege dabei auf Kindertagesstätten, die in der Nähe von Krankenhäusern liegen. Aber auch in den Bezirken sollten einzelne Standorte ausgewählt werden. Welche konkreten Einrichtungen die Notversorgung anbieten, soll am Montag bekannt gegeben werden.

Die Betriebskindergärten von Charité und Vivantes würden nicht geschlossen, sagte Scheeres am Rande der Pressekonferenz. Darüber hinaus kündigte die Schulsenatorin an, Kliniken, die zusätzliche Betreuungsgruppen für die Kinder von Klinikangestellten einrichten wollten, pädagogisches Personal zur Verfügung zu stellen.

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Die Notbetreuung für Grundschüler sollen die allgemeinbildenden Schulen übernehmen. Schulleiter, Lehrkräfte und pädagogisches Personal müssen deshalb grundsätzlich weiter zur Arbeit gehen. Scheeres sagte auf der Pressekonferenz aber auch, es sei den einzelnen Schulleitungen überlassen, wie sie ihre Lehrkäfte einsetzen: „Es kann auch Homeoffice angewiesen werden.“

Die Lehrkräfte werden allerdings auch gebraucht, um an den Schulen abschlussrelevante Prüfungen abzunehmen. Die ersten Prüfungen für Abitur und Mittleren Schulabschluss beginnen schon in der kommenden Woche und sollen laut Scheeres wie geplant stattfinden. Die Schüler müssen dafür auch in die Schule kommen, Schulschließung hin oder her. „Dies umfasst neben den schriftlichen Prüfungen ausdrücklich auch die mündlichen sowie dezentralen Prüfungen“, hieß es schon Freitagmittag in einem Schreiben der Senatsschulverwaltung an die Schulleiter.

Miguel Góngora, Vorsitzender des Landesschülerausschusses, ist erleichtert: „Festzulegen, ob, wann und in welchem Zeitrahmen die Prüfungen stattfinden, senkt die Hysterie.“ Prüfungstermine, die nun mitten in die Schulschließungen fallen, sorgten unter Schülern für mehr Angst als mögliche Coronavirus-Infektionen. „Ich habe mehr als 400 verpasste Anrufe. Die Schüler drehen komplett durch“, so Góngora.

Eltern sind verunsichert

Für Unverständnis sorgt bei den Eltern der Umstand, dass die allgemeinbildenden Schulen erst am Dienstag geschlossen werden. Laut Bildungsverwaltung sollen in der Zeit Betreuungsmöglichkeiten für jüngere Schülerinnen und Schüler gefunden werden. Dass viele Eltern, denen das möglich ist, ihre Kinder trotz Schulpflicht schon am Montag nicht mehr in die Schule bringen werden, ist allerdings jetzt schon klar.

Daniela von Hoerschelmann vom Landeselternausschuss hält den einen Tag Verzug aus einem anderen Grund für wichtig: Am Montag könnten letzte Absprachen getroffen werden und Schülerinnen und Schüler hätten die Gelegenheit, alle Hefte und Bücher mitzunehmen. „Es ist wichtig, dass die Bildung zu Hause weitergeht“, sagte sie.

Berliner Eltern, die jüngere Kinder, aber keinen Anspruch auf Notbetreuung haben, müssen nun in kurzer Zeit große Probleme klären – vor allem, weil viele um die Gesundheit der Großeltern fürchten, die sonst vielleicht das Aufpassen übernommen hätten.

Norman Heise, Vorsitzender des Landeselternausschusses, wünscht sich mehr Informationen darüber, wie sinnvoll es angesichts der Ansteckungsgefahr ist, sich in privaten Betreuungsgruppen zusammenzutun. „Dass die Solidarität unter Eltern, was Betreuung betrifft, funktioniert, wissen wir von den Schulstreiks. Die Frage ist: Ist das jetzt eine gute Idee?“