Das KitKat in der Köpenicker Straße.
Foto: Benjamin Pritzkuleit

Berlin-Mitte Die Berliner Club-Szene, derer sich die Hauptstadt rühmt, muss einen neuen Schlag hinnehmen. Dem KitKatClub für ein Fetisch-Publikum und dem Sage Club wurden die Räume gekündigt, die unter der Woche dem Sage, am Wochenende dem KitKat dienen. Das erklärte Lukas Drevenstedt, Geschäftsführer der Clubcommission, der Berliner Zeitung. Die Clubs in einem Gebäude Köpenicker Ecke Brückenstraße sollen es im Juni 2020 verlassen. 

Drevenstedt erklärte, dass noch nicht klar sei, was an der Ecke geschehen soll, und es gebe noch Hoffnung, „dass man sich zusammenfindet.“ Für die Clubcommission, einem Zusammenschluss von 250 Berliner Clubbetreibern und Veranstaltern, ist die Kündigung eine weitere Herausforderung, weil es nicht die ersten Orte sind, die ihren Standort aufgeben müssen. So war „Jonny Knüppel“ auf der Lohmühleninsel im vergangenen Jahr geschlossen worden.

Gescheiterter Rettungsversuch

Ein Crowdfunding, um die Finanzierung besseren Lärmschutzes zu ermöglichen, brachte zwar genug Geld ein, der Vertrag wurde dennoch nicht verlängert. Drevenstedt beklagt, dass das Areal seither brachliege. Diverse Clubs hatten in den vergangenen Jahren Bauprojekten, steigenden Mieten oder Beschwerden aus der Nachbarschaft weichen müssen. Zu nennen sind, ohne Anspruch auf  Vollständigkeit, das Knaack, der Bassy Club, White Trash oder Kingkong Club.

Die Clubcommission begrüßt in diesem Zusammenhang eine Forderung des CDU-Abgeordneten Christian Goiny, der sich für die Clubszene stark macht. Er verlangt, dass der Senat eine Koordinierungsstelle bei der Senatskanzlei einrichtet, die zwischen Hauptverwaltungen, Bezirksämtern und Clubs vermittelt, Antrags- und Genehmigungsverfahren unterstützt.

Denn bislang, so Goiny, gebe es keine Hilfe vonseiten des Lands Berlin, wenn es um die Sicherung von Standorten oder die Suche nach neuen Räumen gehe. Dabei ist die Szene mit rund 700 Orten und Veranstaltern ein wichtiger Bestandteil der Berliner Kultur und Wirtschaft. In einer 2019 vorgestellten Studie der Senatswirtschaftsverwaltung wurde erhoben, dass die Clubs pro Jahr fast 58 000 Veranstaltungen mit annähernd 71 000 Künstler-Auftritten anbieten. 2017 erzielten sie damit einen Umsatz von 168 Millionen Euro.

Jeder dritte Tourist kommt wegen der Clubkultur

Jeder Nachtleben-Tourist gab im Schnitt weitere 60 Euro bei seinem Berlin-Aufenthalt aus, und jeder dritte Tourist komme wegen der Clubkultur nach Berlin. Die Szene generiere damit einen Jahresumsatz von 1,48 Milliarden Euro. Die Einrichtungen beschäftigen rund 9000 Menschen, wenn auch nur zu knapp 30 Prozent sozialversicherungspflichtig. Die CDU beklagt, dass trotz des positiven Einflusses der Clubs auf Berlin keine institutionelle Förderung bestehe.

Die 300 000 Euro, die die Clubcommission jährlich aus dem Haushalt des Musicboards bekommen solle, würden nicht erreicht. Drevenstedt erklärte, dass die Clubcommission zum größten Teil mit ehrenamtlicher Tätigkeit in der Lage sei, Clubs und Veranstalter zu beraten, wenn es um Konflikte mit der Bauaufsicht, der Versicherung oder der Nachbarschaft kommt. Dafür müsse man jedoch Projektmittel beantragen, was hohen bürokratischen Aufwand darstelle.  

Raumnot sei einer der Gründe

Die Mittel seien auch nicht flexibel einsetzbar und zudem befristet, so dass man Fachleute nicht halten könne. Man hoffe, dass die Unterstützung aus dem Schallschutzfonds weiterlaufe, der 2018/19 insgesamt eine Million Euro umfasste, und aus dem Fördermittel beantragt werden können. Ein elektronisches „Clubkataster“, das als Radar für  Betreiber diene, ob potenziell Bedrohliches wie Bauprojekte oder Bebauungspläne auf sie zukommt, laufe an.

Die Senatskulturverwaltung erklärte, dass – vorbehaltlich der Zustimmung des Abgeordnetenhauses zum Haushalt 2020/21  – ein Kulturraumbüro seine Arbeit 2020 aufnehmen könne.  Es soll sich um die Bereitstellung von Arbeits- und Präsentationsräumen für Kultur aller Art kümmern. Da werde niemand ausgeschlossen, auch Clubs nicht. Ein Sprecher: „Angesichts der Raumnot in Berlin kann man leider nicht erwarten, dass schnell neue beziehungsweise Ersatzräume beschafft werden können.“  Drevenstedt: „Wir würden uns da gern einbringen.“