Berlin - Seit Anfang der 1990er-Jahre ist der ehemalige Güterbahnhof am Stellingdamm in Köpenick eine Brache. Gestrüpp wuchert zwischen alten Baracken, in denen es immer mal wieder brennt. Das insgesamt 53 Hektar große Areal, das sich über fast zwei Kilometer bis zum S-Bahnhof Hirschgarten hinzieht, ist jetzt zum Thema von Stadtplanern geworden. Es wird geprüft, ob dort ein Quartier für Wohnen und Arbeiten entstehen kann.

Ein Investor hat im Bezirk bereits sein Projekt für die „Stellinghöfe“ präsentiert. Er will entlang der Bahnstrecke mehr als 1200 Wohnungen bauen. Gemeinsam mit einer städtischen Wohnungsbaugesellschaft sollen dort gut 850 Mietwohnungen entstehen, zudem Apartments für Studenten und Senioren, dazu eine Kita und ein Fahrradparkhaus direkt am S-Bahnhof.

Zu dicht und zu kompliziert

Doch im Bezirksamt Treptow-Köpenick wird das Projekt abgelehnt: Die geplante Bebauung sei zu dicht, zudem sei das Projekt viel zu aufwendig, um es schnell umsetzen zu können, heißt es.

„Es ist ein sehr schwieriges Areal“, sagt Baustadtrat Rainer Hölmer (SPD). Im Norden, auf dem Stellingdamm, fährt die Straßenbahn, im Süden S-Bahnen, Fern- und Güterzüge. Und am westlichen Rand des Areals liegt der stark befahrene Verkehrsknoten Bahnhofstraße/Mahlsdorfer Straße. Der Stellingdamm soll zudem ausgebaut werden, die sogenannte Ost-West-Trasse soll dort entlangführen, das einstige Bahngelände in einem Tunnel unterqueren und dann nach Südosten in Richtung Salvador-Allende-Straße verlaufen.

Und dann ist auf der anderen Bahnhofseite noch der geplante Regionalbahnhof, der die Planung derzeit nicht leichter mache, so Baustadtrat Hölmer: „Wir haben uns entschieden, angesichts der angespannten Personalsituation erst mal Wohnungsbauprojekte auf weniger komplizierten Geländen zu planen.“

Treptow-Köpenick gilt als einer der Bezirke mit dem größten Wohnungsbau-Potenzial. Etwa 28.000 Wohnungen, so ergab eine Studie des Bezirksamtes, könnten bis zum Jahr 2030 im Südosten entstehen. 56 000 Menschen könnten so mit Wohnraum versorgt werden.

Senat hat sich eingeschaltet

Es ist möglich, dass der Senat dem Bezirk die Planung für das alte Bahngelände abnimmt. Mitte April beschloss die Landesregierung, für den früheren Güterbahnhof eine städtebaulichen Entwicklung zu prüfen. Das heißt, es wird untersucht, ob sich das Gelände als Standort für Wohnen und Arbeiten überhaupt eignet. Wenn ja, könnte das Areal zum Entwicklungsgebiet erklärt werden, wie es zum Beispiel die viel größere Wissenschaftsstadt Wista in Adlershof ist. Für ein Entwicklungsgebiet würde es Fördermittel geben. Die Untersuchungen sollen in diesem Jahr abgeschlossen sein.

Projektentwickler Marcus Beck von der BerlinPunkt GmbH, der für die Eigentümergesellschaft Köwo GmbH die „Stellinghöfe“ plant, hofft jetzt auf neuen Schwung. Er sagt: „Wir planen seit Jahren mit schall-robusten Baukörpern, haben sämtliche Experten-Gutachten fertig und könnten sofort loslegen.“ Man verstehe schlicht nicht, wieso am Bahnhof Köpenick – anders als etwa an Bahnhöfen in Wilmersdorf oder Pankow – dringend benötigter Wohnungsbau nicht möglich sein soll.