Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich Investoren für dieses Filetgrundstück interessierten, für diese gut 15 Hektar Grünfläche voller alter Bäume direkt an der Dahme in Köpenick. Einst befand sich dort der Sommersitz des Berliner Meiereibesitzers Carl Bolle, zuletzt züchteten dort Mitarbeiter der Humboldt-Universität Zierpflanzen. Vor zehn Jahren zog die Uni aus, seither liegt der Marienhain an der Wendenschlossstraße brach. Jetzt soll dort gebaut werden. Gut 1000 Wohnungen sind geplant, entstehen wird ein völlig neues Viertel in der Nachbarschaft von Einfamilien- und Reihenhäusern und einigen Kleingärten im Ortsteil Wendenschloss.

„Es ist eines der größten und wichtigsten Vorhaben im Bezirk, das tiefe Einschnitte im Ortsteil mit sich bringen wird“, sagt der Baustadtrat von Treptow-Köpenick, Rainer Hölmer (SPD). Tatsächlich gehört der Südost-Bezirk zu den Boom-Gebieten der Stadt, vor allem Familien und Ruheständler schätzen die grüne Stadtrandlage am Wasser. Bis zum Jahr 2030 soll die Zahl der Einwohner um 8,4 Prozent steigen. Noch mehr Zuzüge verzeichnen nur Friedrichshain-Kreuzberg, Pankow und Mitte. Bis zu 10.000 neue Wohnungen sollen daher in Treptow-Köpenick bis zum Jahr 2020 entstehen, ein Zehntel davon am Marienhain.

Wiederaufbau der Bolle-Villa

Einschnitte könnte das Projekt in der Sozialstruktur nach sich ziehen. Denn viele Investoren in Köpenick planen vor allem hochwertige, das heißt, teure Wohnungen. Das wird auch am Marienhain nicht anders sein, obwohl der Investor, die Wendenschlossstraße Marienhain GbR, noch keine konkreten Angaben dazu machen kann – weder zur Mischung aus Eigentums- und Mietwohnungen noch zu Kauf- oder Mietpreisen. „Die Planung ist noch ganz am Anfang“, sagt auch Paul Lössen vom Büro P 4, der das Viertel im Auftrag des Investors mit plant. Konkrete Verabredungen mit dem Bezirksamt über einen bestimmten Anteil preisgünstiger Wohnungen gebe es nicht, man denke jedoch darüber nach, Wohnungsbaugesellschaften oder -genossenschaften beim Bau zu beteiligen, heißt es.

Entstehen sollen am Marienhain Zwei- bis Viergeschosser, die sich um private Höfe gruppieren. Vor allem größere Wohnungen zwischen 95 und 135 Quadratmetern sind geplant. Und weil viele Familien erwartet werden, soll es auch eine Kita mit gut hundert Plätzen geben. Entlang der Wendenschlossstraße sollen auch Geschäfte entstehen.

Erschlossen werden soll das Gelände über zwei Zufahrtsstraßen, die denkmalgeschützte Marienhain-Allee soll Fußgängern und Radlern vorbehalten sein. Rund 3,5 Hektar des Areals am Wasser sollen in einen öffentlichen Park verwandelt werden, mit Restaurant, Spielplatz und Liegewiesen. Die vor fünf Jahren abgebrannte, denkmalgeschützte Bolle-Villa im Park wollen die Investoren wieder aufbauen, die ebenfalls denkmalgeschützte Mauer um das Gelände soll an drei Stellen aufgebrochen werden. „Wir wollen keine Abschottung zur Nachbarschaft“, sagt Stadtrat Rainer Hölmer.

Teurer als andere Bauprojekte wird das neue Viertel auch deshalb, weil ein Großteil der Pkw-Stellplätze unter die Erde kommt. Gut 800 Tiefgaragenplätze sind geplant. Überhaupt ist das Thema Verkehr schon jetzt, lange vor dem geplanten Baubeginn im Jahr 2015, Gesprächsstoff im Ortsteil. Denn die Wendenschlossstraße ist jetzt schon häufig zugestaut. Wenn dann noch die offiziell prognostizierten 2200 Bewohner vom Marienhain dazu kommen, fürchten viele noch mehr Stau sowie Schleichverkehr durch umliegende Wohnstraßen. Um den Schleichverkehr werde sich das Ordnungsamt kümmern, verspricht Stadtrat Hölmer. Mit dem Stau befasst sich der Verkehrsplaner Bodo Fuhrmann. Im Auftrag des Senats will er die Kreuzung, über die der Verkehr in Richtung Stadtzentrum fließt, umbauen. Er plant auch eine flexiblere Ampelschaltung, die zu kürzeren Rotphasen führen soll.

Die Planungen zum Marienhain liegen bis zum 3. März im Rathaus Köpenick, Zimmer 138, aus. Geöffnet ist Mo–Mi 8 bis 16 Uhr, Do 9 bis 18 Uhr, Fr 8 bis 14 Uhr.