Der Klebstoff der Klima-Kleber steht am BER jetzt auf dem Index

Aber auch im Supermarkt findet unser Kolumnist ein paar Auffälligkeiten: Es gibt keinen Dill mehr, kaum Kaffee und gleich sechs Kühlschränke sind gähnend leer.

Berlin: Ein Polizeibeamter löst mit Sonnenblumenöl die festgeklebte Hand eines Klimaschutz-Demonstranten der Gruppe „Letzte Generation“ vom Asphalt. (Archivbild)
Berlin: Ein Polizeibeamter löst mit Sonnenblumenöl die festgeklebte Hand eines Klimaschutz-Demonstranten der Gruppe „Letzte Generation“ vom Asphalt. (Archivbild)dpa/Paul Zinken

Kaufen oder nicht kaufen, das ist die große Frage. Gemeint sind nicht etwa Aktien, obwohl doch eine alte Wirtschaftsweisheit lautet: „Das Geheimnis der Spekulation: Kaufe, wenn das Blut auf den Straßen fließt.“ Gemeint ist in diesem Fall der Einkaufsalltag. Heute Morgen gab es kurz nach 8 Uhr im Discounter nur noch eine Packung Klopapier. Spricht das für tagesaktuelle Lieferprobleme oder ist es ein Indiz für die große Krise?

Meist ist unklar, was dahintersteckt: Seit Wochen bekomme ich keinen tiefgefrorenen Dill, habe aber auch noch nichts vom kriegsbedingten Dill-Engpass gehört oder einer Kroketten-Misere.

Vor ein paar Tagen wollten wir Kroketten kaufen. Im teuren Supermarkt waren sie ausverkauft, im Billigdiscounter auch. Dort standen gleich sechs Kühlschränke nebeneinander leer. Eine Verkäuferin dementierte Lieferprobleme: „Die Kühlschränke sind defekt. Deshalb mussten wir das Sortiment ausräumen.“

Komisch nur, dass in den angeblich defekten Geräten die ganze Zeit das Licht brennt und dass sie innen eiskalt sind. Wer macht denn so etwas über Tage bei den aktuellen Strompreisen?

Übergewinnsteuer auf Kaffee?

Andere sind da ehrlicher. Im Supermarkt hängt vor der gähnenden Leere des Kaffeeregals ein Aufklärungszettel, darauf steht, dass der berühmte Kaffeehersteller die Preise massiv erhöht habe und dass sich beide Seiten trotz „langer und intensiver Verhandlungen“ nicht auf einen „angemessenen Einkaufspreis“ einigen konnten.

Fachleute haben nachgerechnet und Trittbrettfahrer der Krise gefunden, die ihre Preise überproportional erhöht haben, ohne dass ihre eigenen Kosten allzu sehr gestiegen sind. Nun fordern einige nicht nur eine Übergewinnsteuer für Energiekonzerne, sondern auch für alle Kriegsprofiteure.

Krisenzeiten sind immer auch Zeiten schlagartiger Neuerungen. Neulich im Museum mussten wir unsere Rucksäcke an der Garderobe abgeben, damit wir keinen Kleber einschmuggeln und uns irgendwo festkleben.

Apropos Kleber: Der wurde von einigen Fluggesellschaften offenbar als genauso gefährlich eingestuft wie Mineralwasser. Ein Freund hatte Wanderschuhe im Reisegepäck, und weil die Sohle etwas eingerissen ist, hatte er Sekundenkleber dabei. Leider im Handgepäck. Als die Sicherheitsleute am BER die Tube entdeckten, wurde der Mann sofort als potenzieller Klima-Kleber eingestuft. Sie verrieten ihm aber nicht, ob sie befürchten, dass er sich im Flieger an die Gepäckablage klebt oder auf die Rollbahn.

Mal sehen, was als Nächstes auf den Index kommt oder was im Supermarkt fehlt oder wo der Wucher wuchert. Wie sehr ist inzwischen eigentlich der Preis für Sekundenkleber gestiegen? Oder sind Uhu und Pattex keine Krisenprofiteure?