Berlin - Man kann den Schritt als deutliches Signal an die Bundesregierung werten: Wenn ihr beim Dragoner-Areal in Kreuzberg die Interessen des Landes Berlin nicht berücksichtigt, werdet ihr vom Verkauf zum Höchstpreis nicht viel haben. Um den Bund unter Druck zu setzen, hat der Senat am Dienstag das 47.000 Quadratmeter große Gelände am Mehringdamm sowie angrenzende Wohnblöcke zum Sanierungsgebiet erklärt.

Das hat sofortige Folgen: So müssen Grundstücke bei einem Verkauf zuerst dem Land angeboten werden – zu einem fairen Preis. Außerdem müssen sich Privatinvestoren sämtliche Bauvorhaben von Senat oder Bezirk genehmigen lassen. Mit dem Sanierungsgebiet verfolgt der Senat auch eigene Pläne. „Das Dragoner-Areal ist einer der wenigen innerstädtischen Standorte, an denen wir Wohnungsbau realisieren können“, sagt Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD). 400 bis 500 Wohnungen könnten entstehen, die Hälfte davon sozial gefördert. Auch die historische Struktur des früheren Kasernengeländes will der Senat wiederherstellen, Garagen und stallähnliche Gebäude werden abgerissen. Das Gelände ist derzeit Domizil vor allem von kleinen Kfz-Werkstätten, Künstlern sowie dem Club „Gretchen“.

Unabhängig vom Verkauf des Dragoner-Areals durch den Bund will der Senat mit Sanierungsmaßnahmen beginnen. „Unser Ziel ist es, die Kreuzberger Mischung zu erhalten und die Gentrifizierung zu stoppen“, sagt der Senator. So ist der Bau einer Kita mit 100 Plätzen geplant, eine neue Jugendfreizeitstätte soll entstehen und öffentliche Wege angelegt werden. Die Salomon-Grundschule in der Nähe wird saniert. Für diese Maßnahmen plant der Senat 38,5 Millionen Euro ein. Für die Förderung der Sozialwohnungen stehen in den nächsten zehn Jahren 14,7 Millionen Euro zur Verfügung.

Geisel fordert, dass sich der Bund an der sozialverträglichen Stadtentwicklung beteiligt. Dazu müsse der Verkauf des Dragoner-Areals an ein Wiener Unternehmen zum Höchstpreis von 36 Millionen Euro, dem doppelten Verkehrswert, rückabgewickelt werden. Dieses Geschäft war schon 2015 im Finanzausschuss des Bundesrats gescheitert, der Bund prüft aber seit Monaten.

„Die Blockadehaltung des Bundes ist weder finanzpolitisch nachhaltig noch stadtentwicklungspolitisch nachvollziehbar“, sagt Katrin Schmidberger (Grüne). Sie begrüßt die Einrichtung des Sanierungsgebiets ebenso wie die Bundestagsabgeordnete Cansel Kiziltepe (SPD): „Mit dieser Maßnahme wird ein wichtiger Schritt getan, um weitere Luxussanierungen, Immobilienspekulationen und der Verdrängung von Gewerben Einhalt zu gebieten.“