Thorsten Willenbrock vor seinem Buchladen  in der Oranienstraße. 
Foto: Benjamin Pritzkuleit

Berlin-KreuzbergDie Buchhandlung Kisch & Co. in Kreuzberg ist erneut bedroht. „Unser Haus wurde Anfang des Jahres verkauft, an einen Immobilienfonds mit Sitz in Luxemburg“, sagt Thorsten Willenbrock, Inhaber der Buchhandlung Kisch & Co. Es sehe danach aus, als wenn die neuen Eigentümer den Buchladen raushaben wollten. „Unser Mietvertrag läuft Ende Mai aus“, sagt Willenbrock. „Wir haben den neuen Eigentümern angeboten, eine Kaltmiete von 17,50 Euro je Quadratmeter zu zahlen. Doch das haben sie abgelehnt.“ Ein eigenes Angebot legten die neuen Besitzer jedoch nicht vor, so Willenbrock.

„Bisher haben wir für unseren 140 Quadratmeter großen Laden 2 800 Euro Miete gezahlt, also 20 Euro pro Quadratmeter – plus Betriebskosten“, sagt Willenbrock. „Das schaffen wir aber nicht mehr.“ Der Umsatz sei schon vor der Corona-Krise zurückgegangen, um etwa 15 Prozent in den vergangenen drei Jahren. Das liege vor allem an der „Touristifizierung“ der Oranienstraße, in der es immer mehr Sauf-Touristen gebe, und an der Verdrängung der Stammkunden aus dem Kiez. „Jetzt, in der Corona-Krise, wissen wir nicht, wie sich die Umsätze entwickeln“, sagt Willenbrock. Bisher könne die Buchhandlung ihre Miete aber zahlen.

Ohne Einigung endet das Mietverhältnis am 31. Mai

Die neuen Besitzer des Hauses zeigen sich bisher wenig entgegenkommend. Über einen Rechtsanwalt teilten sie der Buchhandlung in einem Schreiben vom 1. April mit, dass die kalkulierte Miete „offensichtlich außerhalb dessen“ liege, was der Buchladen tragen wolle und – nach dessen Darstellung – tragen könne. Die Rechtslage sei eindeutig: Wenn sich die Parteien nicht einigten, ende das Mietverhältnis am 31. Mai 2020. Die Fläche sei dann „nach Maßgabe der Regelungen des Mietvertrages zu räumen und herauszugeben.“

Unterstützung erhält die Buchhandlung von der Linken-Abgeordneten Gaby Gottwald. „Der Buchladen gehört seit 23 Jahren zur Oranienstraße und trägt mit seiner festen Laufkundschaft und regelmäßigen Kulturveranstaltungen zur Stabilität und Attraktivität der gesamten Nachbarschaft bei“, schreibt sie in einem Brief an die Verantwortlichen des neuen Eigentümers. Leider werde die Kreuzberger Mischung, zu der kleine, vielfältige Gewerbe- und Kultureinrichtungen gehören, „systematisch durch rücksichtslose Vermieter und renditesuchende Investoren zerstört“, so Gottwald. Mit dem Vorgehen gegen die Buchhandlung Kisch & Co. seien die neuen Eigentümer „leider auf direktem Weg, dafür ein weiteres Beispiel“ zu geben. „Um es klar zu sagen“, notiert Gottwald in ihrem Brief: „Wir sind nicht willens, diese Institution im Kiez Ihrem Begehren nach mehr Rendite zu opfern.“

Inhaber hoffen auf ein gutes Ende

Thorsten Willenbrock, der den Laden mit einem zweiten Inhaber führt, sagt: „Wir würden gerne bleiben. Wir haben viele Stammkunden, einige sind schon in unseren Laden gekommen, als sie noch Kinder waren. Für uns ist unsere Buchhandlung unser Lebensmittelpunkt.“ Wenn die Buchhandlung raus müsse, wäre das das Aus für sie und ihre drei Mitarbeiter. „Woanders werden wir nichts Vergleichbares finden“, sagt Willenbrock. „Aber noch geben wir nicht auf.“