Berlin-Kreuzberg: Ein Café für Flüchtlinge und Einheimische

Berlin - Einfach nur Zeit miteinander verbringen. Nicht helfen, nicht belehren, nicht bemitleiden. Das ist der Gedanke, der hinter dem Internationalen Café in der Flüchtlingskirche St. Simeon in Kreuzberg steht. Dort können sich seit Anfang November „Beheimatete“ und „Geflüchtete“ – wie es in einer Broschüre heißt – zweimal im Monat treffen. Am Dienstag fand die Veranstaltung zum dritten Mal in der Flüchtlingskirche statt.

Das „Café“ ist ein großer Saal direkt in der Kirche. Tische und Stühle stehen bereit. Es gibt ein kleines Büfett mit Gebäck, Tee und Kaffee. 16 Uhr geht es los, die Gäste kommen nach und nach. Schnell bilden sich Grüppchen an den Tischen. Es sind deutlich mehr Flüchtlinge als Anwohner oder Gemeindemitglieder da. Alle haben sich mit Klebestreifen provisorische Namensschilder gebastelt. Nur die Vornamen sind darauf zu lesen. „Das Duzen hilft“, meint Pfarrerin Beate Dirschauer, es baue Distanz ab.

Auf Augenhöhe

Auf einem der Schilder steht Farouk. Der Mann kommt aus Ägypten und heißt mit vollständigem Namen Farouk Zagloul. In seiner Heimat sei er Schiffsmechaniker gewesen, verdiente gut, hatte ein Haus und ein Auto. Aus politischen Gründen musste er aber nach Deutschland fliehen. Warum genau, darüber möchte er nicht reden. „Politik führt nur zu Streit.“ Wie alle Flüchtlinge hier spricht auch er kein Deutsch, dafür aber fließend Englisch. Oft übersetzt er, damit sich Einheimische und Asylbewerber halbwegs unterhalten können. „Warum bist du nach Deutschland gekommen?“ Das sei die am meisten gestellte Frage, sagt Zagloul. Dazu: „Was hast du für Pläne?“

Es sei verständlich, dass viele zum Einstieg diese Fragen stellen, doch Zagloul möchte vor allem über positive Dinge sprechen. Auch Beate Dirschauer hofft, dass sich die Gespräche nicht die ganze Zeit um die Flucht drehen. „Die Menschen hier sollen nicht ausgefragt werden.“ Außerdem ginge es ausnahmsweise nicht darum, den Flüchtlingen zu helfen. Für Dirschauer sei das zwar wichtig und nötig, gleichzeitig sei dadurch aber auch kein Kontakt auf Augenhöhe möglich, da Flüchtlinge dabei immer als hilfsbedürftig angesehen werden.

Die Hoffnungen der Pfarrerin scheinen sich zu erfüllen. Viele Gespräche, die oft nur mittels Zeichensprache und Bildern geführt werden können, drehen sich um die Hobbys oder den Beruf. Eine ältere Dame, auf ihrem Namensschild steht Gisela, hat sich zu zwei jungen Männern gesetzt. Sie will Arabisch lernen. Mit Vergnügen bringen es ihr die beiden mit Hilfe von Bildern bei.

Junge Leute gesucht

In der hintersten Ecke des Raums steht ein Klavier, um das sich eine Gruppe von Flüchtlingen versammelt hat. Einer von ihnen fängt kurz darauf an zu spielen. Mit Leichtigkeit bringt er ein klassisch klingendes Stück. Daneben spielen zwei Männer Tischtennis.

Neben Farouk Zagloul ist Farzad Badr am heutigen Abend der Zweite, der englisch spricht. Badr kommt aus Afghanistan, so wie viele hier. Er übersetzt ins Persische. Derzeit wohne er in einer Flüchtlingsunterkunft ganz in der Nähe. Dort gebe es auf engem Raum einfach zu viele Menschen. Für ihn sei deshalb der Ortswechsel allein schon extrem wichtig. Aber auch die Gespräche: „Ich liebe es, mich mit neuen Menschen zu unterhalten.“

Das scheint auf die meisten hier zuzutreffen. Viele sind gelöst, lachen und sprechen miteinander, obwohl sie sich erst seit ein paar Minuten kennen. Für Pfarrerin Dirschauer ist das ein Segen. Nur einen Wunsch hat sie noch: Mehr junge Leute aus der Umgebung sollen kommen. Denn die meisten Geflüchteten sind nicht einmal 25 Jahre alt. Wenn das noch klappt, wäre es perfekt.