Zeitweise bis zu rund 600 Menschen haben am Sonntagnachmittag für den Erhalt eines Ladens der linken Szene in Berlin-Kreuzberg demonstriert. Diese Zahl nannte die Polizei, nach deren Angaben die Veranstaltung durchweg friedlich verlief. 

Die Teilnehmer wollten die erfolgreiche Abwendung der Zwangsräumung des „Gemischtwarenladens für Revolutionsbedarf“ feiern.

Auf einem Schild stand zu lesen „Alte Bäume verpflanzt man nicht“, ein anderes trug - mit Blick auf den Wandel im Kiez mit höheren Mieten und Zuzüglern - den Schriftzug „Verdrängung ist doof“.

Vermieter und Mieter hätten sich auf eine freiwillige Übergabe des Ladens in der Manteuffelstraße 99 geeinigt, teilte das Amtsgericht Tempelhof-Kreuzberg mit.

Bis 20. September sollen Laden und Keller leer sein

Die Einigung besagt, dass Geschäftsbetreiber Hans Georg Lindenau am Montag die von ihm genutzten Räume im ersten Obergeschoss freiwillig an den Hauseigentümer herausgibt. Bis zum 20. September sollen dann Laden und Keller folgen.

Der Hauseigentümer hatte die unsanierte Immobilie vor drei Jahren erworben. Der Altbau soll nach Aussagen des Eigentümeranwalts Cornelius Ernst Wollmann behutsam saniert werden, Luxus- oder gar Eigentumswohnungen seien nicht geplant.

Unerlaubte Untervermietung

Nach mehreren Abmahnungen wegen massiver Vertragsverletzungen sei Hans Georg Lindenau gekündigt worden. Grund sei eine „unerlaubte, pensionsartige Untervermietung“ des ersten Obergeschosses. Einmal habe es dort sogar gebrannt, weil eine Heroin-abhängige Untermieterin „des Herrn Lindenau“ mit brennender Zigarette im Bett eingeschlafen sei.

Die Kündigung wurde vom Gericht bestätigt, sie ist rechtskräftig. Man habe Lindenau mehrere Angebote gemacht, damit dieser bleiben könne, jedoch wurden alle abgelehnt, sagt der Anwalt. (mit dpa)