Die sogenannte Cuvrybrache in Kreuzberg wird in absehbarer Zeit offenbar doch bebaut. Das bestätigte Hans Panhoff, amtierender grüner Baustadtrat von Kreuzberg-Friedrichshain. Damit ginge ein Jahrzehnte währender Stillstand zu Ende – doch neuer Streit ist programmiert.

Grundlage für das Bauvorhaben auf dem Grundstück zwischen Cuvrystraße, Schlesischer Straße und Spree ist eine Baugenehmigung aus dem Jahr 2002. Geplant ist nun ein Hotel, Restaurants, Büroräume und eine Tiefgarage, Arbeitstitel: „Neue Spreespeicher“. Entstehen soll ein Ensemble mit zwei langgestreckten Gebäuden im Backstein-Stil. Pikant: Die Baugenehmigung würde am 6. November diesen Jahres auslaufen. „Wenn bis dahin nicht mit dem Bau angefangen wird, würde die alte Genehmigung erlöschen“, sagte Stadtrat Panhoff.

Affront gegen Land Berlin und Bezirk

Die neuen Pläne sind ein Affront gegenüber dem Land Berlin und dem Bezirk. Jahrelang hatten die Behörden mit dem Investor Artur Süßkind über eine Bebauung mit Wohnhäusern verhandelt. Da sie ihn dazu zwingen wollten, auch günstige Sozialwohnungen zu errichten, erklärte Süßkind im März diesen Jahres die Verhandlungen als beendet.

Er hatte dort 250 hochwertige und entsprechend teure Wohnungen geplant, sollte aber ein Viertel tatsächlich zum Mietpreis von 6,50 Euro anbieten. Süßkind hatte stets nur zehn Prozent Sozialwohnungen akzeptieren wollen.

Mit Süßkinds Auszug aus den Verhandlungen deutete sich die Fortsetzung einer jahrzehntelangen Hängepartie an. Zunächst war auf dem Gelände nur Gewerbe vorgesehen – ein Shopping-Center sollte entstehen. Nachdem sich der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg dagegen aussprach, zog der Senat die Planung an sich. Es wurde nicht besser, konkrete Baupläne gab es nicht.

Als sich 2012 das Guggenheim Lab aus New York temporär ansiedeln wollte, um über die Zukunft der Stadt zu diskutieren, protestierten die Anwohner. Auf der Brache wurden Protesthütten errichtet. Am Ende campierten gut 200 Menschen in Hütten und Zelten – Obdachlose, Romafamilien, Lebenskünstler. Nach einem Brand im Herbst vor zwei Jahren ließ Eigentümer Süßkind das Gelände räumen.

Süßkind ist auch Mitbegründer der Hotelkette Amano, die in Berlin insgesamt fünf Hotels betreibt. Außerdem ist er als Inhaber des Unternehmens Terra-Contor auf der Schlossstraße in Steglitz vertreten. Dort gehört ihm das Geschäftshaus Schlossstraße 110, das derzeit umgebaut wird.