Es ist eine Idee, die für Aufsehen gesorgt hat. Von einem Vorhaben, mit dem Berlin bis New York und Moskau Eindruck machen werde, war die Rede, auch von einer „neuen urbanen Halsschlagader“. Dort, wo unter den Viadukten der U-Bahn-Linien U1 und U2 heute noch Autos parken, sollen in Zukunft Radfahrer unterwegs sein.

Unter der Hochbahn der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) soll eine Fahrradtrasse entstehen, die neun Kilometer weit vom Hardenbergplatz zur Oberbaumbrücke quer durch die Berliner Innenstadt führt – mit Ruhezonen, Gastronomie und anderen Angeboten am Rande. Radbahn heißt das ambitionierte Projekt, das ein Team von Architekten, Stadtplanern und anderen Alltagsradlern über die Jahre beharrlich vorangetrieben hat.

Nun ist der Verein Paper Planes – Team Radbahn einen weiteren, diesmal entscheidenden Schritt vorangekommen. Am Montag gab die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz bekannt, dass sie 2 019 eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben wird. Für das Teilstück zwischen dem Kottbusser und Schlesischem Tor soll untersucht werden, ob die Radbahn dort planerisch und technisch umsetzbar wäre.

Projekt verkehrstechnisch hochkomplex

Der Senat deutet an, dass das schwierig würde. Der größte Teil der geplanten Trasse verläuft in der Straßenmitte, beiderseits gesäumt von den Fahrstreifen des Kraftfahrzeugverkehrs – der auf der Skalitzer, Gitschiner und den anschließenden Abschnitten sehr stark ist. „Das Projekt ist aufgrund der zahlreichen Straßenkreuzungen unter der Hochbahn verkehrstechnisch hochkomplex und anspruchsvoll“, gab die Verwaltung am Montag zu bedenken. Im Mittelpunkt der geplanten Studie stünde deshalb die Frage, wie die Bereiche, in denen die Radbahn den Autoverkehr kreuzt, gestaltet werden könnten.

Bei einer Studie für den Senat, bei der mögliche Trassen für Radschnellwege untersucht wurden, bekam die Radbahn nur die Note 3,3 – eine relativ schlechte Bewertung. Anlass waren unter anderem die Platzprobleme unter der Hochbahn – auf die das Radbahn-Team aber inzwischen reagiert hat. Beobachter hatten angemerkt, dass zwischen den Hochbahnpfeilern zum Teil nicht genug Platz sei. 2,50 Meter Breite gelten als Mindestanforderung.

Für diese relativ kurzen  Teilstücke, zu denen der Abschnitt am Burger-Imbiss „Burgermeister“ am Schlesischen Tor gehört, schlägt das Planerteam vor, auf benachbarte Fahrstreifen auszuweichen. Auch der U-Bahnhof Nollendorfplatz und andere Bereiche müssten auf der Straße umradelt werden. Als erste Schätzung hat die Ingenieurgesellschaft Arup für die gesamte Strecke Kosten von knapp 13 Millionen bis 26,7 Millionen Euro errechnet.

Teststrecke am Lausitzer Platz

„Wir sind sehr erfreut über die Entscheidung der Senatsverwaltung“, sagte Matthias Heskamp, erster Vorsitzender von Paper Planes – Team Radbahn. Dies zeige, dass Senat und Verein konstruktiv zusammenarbeiten. Er berichtete auch, dass sich der Senat um eine finanzielle Förderung des Bundes bemühe, was das Projekt weiter voranbringen werde.

Geplant sei nun, unter der Hochbahn am Lausitzer Platz in Kreuzberg eine rund 200 Meter lange Teststrecke für die Radbahn einzurichten. Dort könnten sich die Bürger davon überzeugen, welchen Gewinn die Trasse für die Stadt bringen werde.