Am Kurfürstendamm knallten am Montagabend die Champagnerkorken, als die ersten Nachrichten durchgesickert waren. Am Dienstag folgte zur Mittagsstunde die offizielle Erklärung aus Paris. „Ich habe entschieden, das Institut français in Berlin im Gebäude des Maison de France zu erhalten“, sagte Außenminister Laurent Fabius. Damit sind die Pläne vom Tisch, das traditionsreiche Haus in der City-West zu verkaufen und das Kulturinstitut in der Botschaft am Pariser Platz in Mitte zu integrieren.

„Wir freuen uns sehr und sind erleichtert, dass wir hier weiterarbeiten dürfen“, sagte Natalie Lakotta am Dienstag der Berliner Zeitung. Sie vertritt als Betriebsrätin die Interessen von 40 Mitarbeitern, die am Kudamm Sprachkurse geben, Konzertreihen auflegen, Ausstellungen kuratieren oder Medien aus der Bibliothek ausgeben. Für viele West-Berliner war das Maison de France Frankreichs kulturelle Botschaft, oder einfach Anlaufstelle für freundschaftliche Beziehungen zum Nachbarland, das in Berlin zeitgleich noch als Besatzungsmacht wahrgenommen wurde.

Monatelang hatte die Belegschaft Überzeugungsarbeit bei Regierungsabgesandten betrieben: Das Institut müsse an dem Ort bleiben, an dem es sich seit 1950 befindet. Dabei sei es nicht um den eigenen Arbeitsplatz gegangen, sagt Lakotta, schließlich hätten alle in die Botschaft umziehen sollen. „Aber es wäre eng geworden. Unsere Bibliothek hätten wir nicht komplett unterbringen können.“

Wichtig sei, dass man einen gewachsenen Kundenstamm und Freundeskreis des Hauses pflege. „So etwas darf man nicht einfach aufgeben“, sagte Lakotta. Wie sehr das Institut interessiert, zeigt die Resonanz auf eine Petition auf der Plattform Change.org. 14 000 Menschen sprachen sich für den Verbleib aus, darunter der Regisseur, Cannes-Filmpreisgewinner, Sorbonne-Ehrendoktor und Ritter der Ehrenlegion, Wim Wenders. „Das hat uns geholfen“, sagt Lakotta.

Zwei Gründe dürften den Ausschlag für die Pariser Rolle rückwärts gegeben haben: Erstens hat sich offenbar durchgesetzt, dass ein offenes Haus wie ein Kulturinstitut nicht in eine stark gesicherte Botschaft passt. Zweitens hätte offenbar auch der Hausverkauf nicht so viel eingebracht wie erhofft.

Im Bezirk ist man jetzt jedenfalls très heureux, sehr glücklich – und Bürgermeister Reinhard Naumann sieht sich in seinen Bemühungen belohnt. Der SPD-Politiker hatte kurz nach Bekanntwerden der Pläne Frankreichs Vize-Botschafter eine Resolution übergeben. Eine solche Entscheidung gegen den Westen sei in einer Stadt mit der Historie des Vier-Mächte-Status fatal gewesen. Jetzt sei er froh, dass sich „politischer Sachverstand gegen schnödes Finanzkalkül durchgesetzt hat.“

Auch von der Yorck-Kino-Gruppe gab es am Dienstag Applaus. Ein Verkauf hätte wohl auch das Ende des von ihr betriebenen Kinos Cinema Paris im selben Haus bedeutet. Jetzt könne man weitermachen – als eines der zwei letzten verbliebenen Filmtheater an der einstigen Kinomeile Kudamm.