Berlin-Lichtenberg: Der Bezirk boomt

Lichtenberg - Lichtenberg kämpfte lange mit einem schlechten Image. Doch inzwischen boomt der Bezirk. Birgit Monteiro (SPD), Stadträtin für Stadtentwicklung, spricht von einer halbierten Arbeitslosigkeit und immer neuen Unternehmensansiedlungen. Sie legte jetzt neue Zahlen zur Entwicklung Lichtenbergs vor.

„Unsere Wirtschaftslage entwickelt sich sehr positiv“, sagte Monteiro der Berliner Zeitung. „Im Januar 2011, also vor genau acht Jahren, gab es noch mehr als 21.000 Lichtenberger ohne Job, heute sind es noch knapp 10.800.“ Das führt Monteiro nicht allein auf stadt- und bundesweite Entwicklungen, sondern vor allem auf viele konkrete Job-Projekte im Bezirk zurück. „Unser Jobcenter legt Wert auf individuelle Betreuung. Die Mitarbeiter gehen bei Bedarf auch mit zu Vorstellungsgesprächen“, sagt die Stadträtin. Auch Langzeitarbeitslose würden erfolgreich vermittelt.

Mietwohnungen begehrt

Die Berufswelt im Bezirk wird immer vielfältiger. Die Zahl der Lichtenberger Gewerbebetriebe stieg von 18.637 im Jahr 2012 auf derzeit 21.254 – eine Steigerung um 2.617 Firmen. „Bei uns gibt es noch Flächen für Neuansiedlungen, und die Gewerbemieten sind niedriger als anderswo“, sagt Birgit Monteiro. Gerade erst sei die Elektro- und Tischlerwerkstatt des Ausbildungswerks Kreuzberg in den Bezirk gezogen. Gemeinsam werben Betriebe und Bezirk in Projekten wie „Wirtschaftsorientiertes Stadtmarketing“ für den Wirtschaftsstandort. Schüler hätten die Chance, etwa bei Bustouren Ausbildungsbetriebe kennenzulernen, sagt die Stadträtin.

Lichtenberg ist einer der am schnellsten wachsenden Bezirke Berlins und gerade bei jungen Familien beliebt. Gab es 2010 dort noch 261.617 Einwohner, lebten im Jahr 2017 bereits 286.246 Menschen im Bezirk. Für den Zuzug ist vor allem die Lage auf dem Wohnungsmarkt verantwortlich. Viele Familien ziehen in den Osten der Stadt, weil es dort noch günstige Wohnungen gibt.

Streit über die Zukunft eines Areals an der Rummelsburger Bucht

Nach Bezirksangaben ist der Anteil der Mietwohnungen am Wohnungsbestand mit 95,9 Prozent (Berlin: 84,9 Prozent) nirgendwo größer als in Lichtenberg. Gleiches gilt für den Anteil an mietpreis- und belegungsgebundenen Wohnungen mit 17,4 Prozent (Berlin: 12,8 Prozent). Auch die Umwandlungsquote von Miet- in Eigentumswohnungen ist nach Angaben des Bezirksamtes mit 0,07 Prozent nirgendwo in der Stadt geringer (Berlin: 0,81 Prozent).

Bis zum Jahr 2024 sollen weitere 23.806 Wohnungen entstehen. Gestritten wird derzeit über die Zukunft eines Areals an der Rummelsburger Bucht. Dort steht auf der Kippe, ob der Bezirk bei Wohnungsbau und Schulplätzen mitgestalten will, oder ob das Filetgrundstück von Investoren mit einem Aquarium (Aquapark „Coral World“) bebaut wird. Kritiker des Projekts sind überzeugt, dass es nur Touristen anspreche.