Erste Weihnachtsmärkte öffnen: Schlägt die Energiekrise auf die Weihnachtsstimmung?

Trotz der Energiekrise haben die ersten Berliner Weihnachtsmärkte wie geplant geöffnet. Wie geht’s den Glühweinhändlern? Ein Ortsbesuch in Lichtenberg.

Na? Schon in Stimmung? Der „Winterzauber“ in Berlin-Lichtenberg ist auch dieses Jahr wieder der erste Weihnachtsmarkt in Deutschland, der eröffnet wurde.
Na? Schon in Stimmung? Der „Winterzauber“ in Berlin-Lichtenberg ist auch dieses Jahr wieder der erste Weihnachtsmarkt in Deutschland, der eröffnet wurde.dpa/Christoph Söder

Am ersten Geschäftssonntag am Lichtenberger „Winterzauber“ ist die Stimmung schon leicht fröhlich, wenn auch nicht gerade weihnachtlich. Es erklingt noch keine Weihnachtsmusik, sondern Schlager-Hits und Lärm von den vielen Autoscooters und Greifautomaten. Neben den Geldautomaten und dem Notausgang stehen ungeschmückte Tannenbäume; einige sind schon umgefallen, obwohl es ein ruhiger, warmer und sonniger Tag ist. Doch es gibt auch die üblichen Glühweinstände, Bratwurstbuden und Lebkuchenherzen: Der Geruch von Wintergewürzen, Sauerkraut und Zucker liegt schwer in der Luft.

Sie sind ein klassischer Bestandteil der Berliner Weihnachtszeit, sie konnten aber in den letzten zwei Jahren nur begrenzt stattfinden: die Weihnachtsmärkte. Wegen Corona-Einschränkungen konnten viele Märkte 2020 und 2021 nicht im geplanten Maß stattfinden, und selbst als es wieder möglich war, blieben viele Besucher fern. Jetzt sind die Märkte wieder da, aber die Probleme sind andere: Die Energiekrise und die hohe Inflation treiben die Preise in allen Bereichen hoch.

Die Berliner Weihnachtsmarkt-Saison hat trotzdem bereits angefangen: Der Markt und die Rodelbahn am Potsdamer Platz öffneten bereits am 28. Oktober, am letzten Freitag folgte der „Winterzauber“-Markt auf der Frankfurter Allee, einer der ältesten Weihnachtsmärkte Ost-Berlins. Außerdem ist seit Sonnabend der „Glühwald“ am Mercedes-Platz in Friedrichshain für Besucher offen. Auch wenn der erste Advent noch einige Wochen entfernt liegt.

Bei Krämers Mandelbrennerei verkauft die Geschäftsinhaberin Isabell Krämer eine breite Auswahl kandierter Nüsse sowie Lebkuchen in allen möglichen Größen – auch in Form eines Einhorns. Die Stimmung unter ihren Kunden sei bisher „sehr freundlich und gut gelaunt“, sagt Krämer. Das habe sie positiv überrascht – „ich hatte erwartet, dass die Menschen uns kritisieren wegen der Preiserhöhungen überall“, sagt sie. Strom, Miete und natürlich die Waren selbst sind in diesem Jahr teurer geworden: Krämer will nicht sagen, um wie viel sie ihre Mandelpreise erhöhen musste. „Wir haben uns aber bemüht, so weit wie möglich bei den alten Preisen zu bleiben“, sagt sie.

„Ich bin mir sicher, wir kommen gut durch“

Auch die Glühweinpreise sind um die 50 Cent gestiegen. Mehrere Händler erzählen allerdings, dass das Pfand für die herz- oder stiefelförmigen Souvenir-Tassen in diesem Jahr dafür etwas geringer ist als vorher. Am Glühweinstand Zenzi’s Wintergaudi Hütt’n etwa bezahlt man 4 Euro für 200 Millimeter Glühwein plus 2 Euro Pfand; eine Mitarbeiterin erzählt, im letzten Jahr kostete der Wein 3,50 Euro, das Pfand 2,50 Euro. Man landet also nach wie vor bei 6 Euro brutto. Auch die Miete für die Hütte sei in diesem Jahr höher als normal – aber sie darf eigentlich nicht darüber reden, sagt die Mitarbeiterin.

Auch Frank Melissen, der am Markt ein Dosenwurfspiel betreibt, musste in diesem Jahr mehr für seinen Platz bezahlen. Aber er macht sich keine Sorgen, ob er hier über die Runden kommen wird. „Wir werden gut besucht, die Kunden schnallen auch nicht unbedingt den Gürtel enger“, sagt er. Bei ihm kann man für 5 Euro drei Bälle werfen – „und jedes Mal ein Gewinn“, sagt er etwas stolz; hinter ihm am Stand hängen unzählige Riesenfußballe und Kuscheltiere. Er findet es nicht zu früh für ein bisschen Weihnachtsstimmung – „schön einfach, dass wir bei diesem tollen Wetter anfangen können“, sagt er.

Das Wetter wird sicher bis zum letzten Geschäftstag des „Winterzaubers“ am 26. Dezember noch kälter; man weiß auch nicht, wie es mit der Energiekrise bis dann aussehen wird. Immer mehr hört man Tipps für den Fall eines möglichen Blackouts, sollte die Energie knapp werden. Isabell Krämer macht sich aber deswegen keine Sorgen. „Wer zwei Jahre Corona überstanden hat, hat keine Angst vor diesem Winter“, sagt sie. Damals hatte man Sorgen um das Überleben des Geschäfts; nun sei aber Energiesparen kein großes Thema in der Branche, schließlich hat der Berliner Senat selbst keine Auflagen dazu geplant. „Ich kann gerade ganz ruhig schlafen“, sagt Krämer. „Ich bin mir sicher, wir kommen gut durch.“