Autofahrer im Nordosten Berlins müssen sich auf massive Behinderungen einrichten: Im Dezember wird die Wuhletalbrücke voll gesperrt, die Anbindung des städtischen Straßennetzes an den Berliner Ring (A 10) wird dadurch unterbrochen.

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Das Bauwerk, das im Zug der Märkischen Allee (B 158) die Wuhletalstraße überquert, ist so altersschwach, dass es abgerissen werden muss. Mit der Fertigstellung des Neubaus wird frühestens für 2023 gerechnet. Bis dahin wird der Verkehr an der Brücke vorbeigeleitet.

Runter, rüber, rauf

Bereits seit Mai ist der stadtauswärts führende Teil der längst geteilten Brücke gesperrt, der Verkehr wird einspurig über die gleichfalls eingeengte Gegenfahrbahn geleitet. In Richtung Stadt müssen Lastwagen mit mehr als 3,5 Tonnen seither die Märkische Allee über die Ausfahrt verlassen, die Wuhletalstraße überqueren und auf der anderen Seite die Rampe wieder hinauffahren.

Das wird für die nächsten Jahre auch die Lösung für die komplette Baumaßnahme sein: runter, rüber, rauf. Bei einer täglichen Belastung von über 40 000 Fahrzeugen auf der Märkischen Allee und 10 000 auf der Wuhletalstraße wird das zu Staus führen, auch wenn es an den beiden Kreuzungen am Ende der Rampen Ampeln geben wird.

Brücke leidet unter Betonkrebs

Johannes Martin (CDU), im Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf für Straßen zuständig, findet es zwar gut, dass auf die Sicherheit geachtet wird. Andererseits wurde er vom Senat bislang nicht informiert, wann genau gesperrt wird. Er befürchtet, dass sich Auto- und Lastwagenfahrer Ausweichstrecken durch die Wohnviertel suchen werden und hofft, dass die Verkehrslenkung mit Ampeln dafür sorgen wird, dass die Schleichwege unattraktiv werden.

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Die Brücke aus den 70er Jahren leidet unter dem sogenannten Betonkrebs. Durch eindringendes Wasser entsteht im Beton eine chemische Reaktion zwischen alkalischem Zement und Kieselsäure aus falsch ausgewähltem Kies. Dabei entsteht ein gelartiger Stoff, der den Beton aufsprengt. 

Bei Untersuchungen kam heraus, dass auch der Spannstahl in der Brücke angegriffen sein könnte. Die Senatsverkehrsverwaltung rechnet deshalb mit einem möglichen „Versagen“ der Spannbetonträger. 

Mit dem Bau soll 2020 begonnen werden

Wegen der fortschreitenden Schäden ließ die Senatsverkehrsverwaltung Mitte des Jahres aus Kostengründen erste Ideen fallen, die Brücke zu reparieren und mit einem neuen Straßenbelag dafür zu sorgen, dass kein Wasser mehr eindringt.
Sie entschied sich für einen Neubau und hat die Ausschreibungen für die Planung gestartet.

Mit dem Bau soll aber erst 2021 begonnen werden. Eine Behelfsbrücke werde es nicht geben, teilte Verkehrssenatorin Regine Günther (für Grüne) dem Bezirk mit, weil das zusätzlich Geld und Planungskapazität binden würde. 

Keine Hoffnung auf Reparatur 

Mit der Wuhletalbrücke gibt es in diesem Jahr bereits den zweiten Totalschaden dieser Art in Berlin. Der Teil der Elsenbrücke über die Spree, über den der Verkehr Richtung Innenstadt floss, musste wegen eines langen Risses gesperrt werden. Auch diese Brücke muss ersetzt werden.

Der Marzahn-Hellersdorfer Abgeordnete Kristian Ronneburg (Linke) bemängelte, dass alle Vorgängersenate das Bestandsmanagement von Brücken vernachlässigt hätten. Deshalb seien auch an dieser Brücke „Schleifen gedreht“ worden, bis man am Ende die Hoffnung auf eine mögliche Reparatur begraben und doch den Abriss beschließen musste.

Jetzt räche sich, dass wegen des Sparkurses über viele Jahre zu wenig in die Verkehrsinfrastruktur investiert worden sei. Er erwartet, dass der jetzige Senat mit einem neuen Management derlei Vorgänge künftig verhindern kann.