Michael Müller (SPD), Berlins Regierender Bürgermeister (Archivbild).
Foto: dpa/zb/Britta Pedersen

BerlinDer Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) geht davon aus, dass „frühestens ab dem 27. April, eventuell auch erst ab 1. Mai“ die ersten Lockerungen der Corona-Verordnung in Berlin kommen. Es werde mehrere Tage dauern, bis Maßnahmen besprochen und die Verordnungen geändert werden könnten. „Ich gehe davon aus, dass wir ab dem 27. oder 1. Änderungen haben werden bei den Ausgangsbeschränkungen“, sagte Müller am Dienstagmorgen dem RBB Inforadio.

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Müller: Maskenpflicht denkbar - zum Beispiel beim Friseurbesuch 

Eine Maskenpflicht im gesamten öffentlichen Raum hält der Regierende für nicht wahrscheinlich. Vorstellbar allerdings sei, dass in bestimmten Bereichen eine Mund-Nasen-Schutzmaske getragen werden müsse, zum Beispiel bei Friseurbesuchen, sagte Müller dem Inforadio.

Er greift mit seinen Einschätzungen einem wichtigen Telefonat am Mittwochmittag voraus, in dem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den 16 Ministerpräsidenten Exit-Strategien aus den Corona-Beschränkungen diskutieren will. Die Berliner Verordnung auf Basis des Infektionsschutzgesetzes läuft mit diesem Sonntag, 19. April, aus. Die Länder müssen Anschlussregeln erlassen.

Am Montag hatte Müller mitgeteilt, er halte Lockerungen zuerst vor allem in den Bereichen Schule und Einzelhandel für wichtig. Auch ein interdisziplinäres Expertenteam der Nationalen Akademie für Wissenschaften Leopoldina sprach sich am Montag dafür aus, unter bestimmten Voraussetzungen und strengen Abstands- und Hygieneregeln so zügig wie möglich die Schulen bis zu den Klassen 9 und 10, sowie den Einzelhandel und Teile des Gastgewerbes wieder zu öffnen. In bestimmten Bereichen – wie dem Öffentlichen Personennahverkehr – empfehlen die Experten eine Maskenpflicht.

Pankows Bezirksbürgermeister: Schulen bis Sommer geschlossen halten

Vor allem gegen den Entschluss, die Schulen zu öffnen, formiert sich in Berlin Protest: Der Pankower Bezirksbürgermeister Sören Benn (Linke) teilte am Dienstag mit, er halte eine „allmähliche Rückkehr zum Präsenzbetrieb in den Schulen vor den Sommerferien für falsch“. Das Vorhaben stelle Schulleitungen vor unerfüllbare Aufgaben, setze Lehrer, Schüler und Eltern Angststress aus, „der sich in vielfältigen Aggressionsformen ausdrücken wird“. Benn schlägt vor, die Schulen bis zum Sommer geschlossen zu halten und „jetzt alle Kraft darauf zu verwenden, neue Lernformen zu etablieren“.

Denkbar, schreibt Benn in einer Stellungnahme, sei beispielsweise das Aufteilen von Klassen in Fünfergruppen, die nur für eine Doppelstunde an einem Tag in der Woche in die Schule kommen oder das Lernen in Kirchen und Stadtteilzentren.

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Auch in den sozialen Netzwerken kritisierten zahlreiche Berliner Eltern und Nutzer vor allem die Empfehlung der Leopoldina, Schulen rasch wieder zu öffnen. Es mangele an Platz, um die Abstandsregeln einhalten zu können. An vielen Schulen fehlten schon einfachste Hygiene-Mitteln, wie Seife auf den Toiletten.