Taxis sind für unseren Autor ein Lebensgefühl.
Foto: Berliner Zeitung/Paulus Ponizak

BerlinIch fahre gerne Taxi. Nicht nur in Krisenzeiten, sondern auch sonst. Man spart sich den Geruch in Bussen und Bahnen. Es sitzt sich bequemer und den Zwang, ein Stück Stoff im Gesicht zu tragen, hat man auch nicht. Zugegeben, es ist nicht preiswert, aber der Service und der Komfort sind es mir wert. Mittlerweile kenne ich das Schicksal einiger Fahrer. Die Geschichten, die sie erzählen, sind die einer Großstadt. Sehr spannend. Ab und zu jedenfalls.

In diesen Tagen hat sich jedoch die Stimmung geändert. Zugegebenermaßen will ich auch nicht jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit plappern und freue mich hin und wieder über ein einen wortlosen Transport von A nach B. Aber auch die Taxifahrer werden zunehmend maulfauler.

Noch vor Wochen redeten sie über das Wetter, die Familie, das mühsame Geldverdienen und das Kochen. Vor allem bei ausländischen Fahrern ist das zumeist ein Gewinn für einen selbst, gerade wenn es um das Kochen geht. Das ist vorbei, denn viele Fahrer machen sich wegen der Ansteckungsgefahr Sorgen.

Vor allem türkische Fahrer, so habe ich mitbekommen, bangen um sich und ihre Familien. Sie schützen sich mit allerlei Dingen. Einige haben eine Kunststoffscheibe zwischen sich und der hinteren Sitzbank montiert. Andere wieder desinfizieren nach jeder Fahrt die Sitzbänke, auf denen die Kunden gesessen haben. Wieder andere sprühen die Hände der Fahrgäste ein, kurz bevor sie aussteigen. Das ist etwas irritierend, denn eigentlich müssten sie das für den gemeinsamen Schutz vor Fahrtantritt tun.

Neulich hatte ich einen Fahrer der besonderen Art. Der Mann war stämmig, kraftstrotzend seine Schultern und sein Nacken. Er war bekleidet mit einer abwaschbaren Motorradhose. Obenrum trug er einen Kapuzenpulli. Schwarz, ähnlich wie sie auch bei Demonstrationen gern getragen werden. Trotz des Sonnenscheins hatte er die Kapuze über die Stirn gezogen. Unter der Sonnenbrille trug er eine Maske. Nein keine selbst geschneiderte, sondern eine echte, wie sie auch vom medizinischen Personal in Krankenhäusern genutzt wird. Seine Hände waren umhüllt von weißen Handschuhen. Irgendwie sah er beängstigend aus.

Zur Sicherheit machte ich mich klein auf der Rückbank, um ihn nicht nervös zu machen. So viele Hustenbonbons, wie auf dieser Fahrt habe ich noch nie gelutscht. Es hat geholfen. Gehustet habe ich nicht. Ich musste mich nur einmal räuspern. Gott sei Dank.