Ein wirklich schöner Blick auf ein Stück altes Berlin im Jahr 1900: Im Vordergrund die Gertraudenbrücke mit der Figur der Heiligen Gertraude, rechts die Friedrichsgracht, links die Unterwasserstraße.

Die Jungfernbrücke, die älteste erhaltene Brücke der Stadt, überquert in den Nähe des Spittelmarkts den Spreekanal, also den westlichen Spreearm; auf diesem liegen Kähne. Ganz hinten im Bild lässt sich das Schloss erkennen. 

Die Brücke verbindet die historischen Stadtteile Berlin und Cölln. Ihre Geschichte lässt sich bis ins 13. Jahrhundert, in die Zeit der Stadtgründung, zurückverfolgen.

Die Heilige und das Spital

Ihren heutigen Namen erhielt sie von dem Gertrauden-Hospital, das im 15. Jahrhundert vor den Toren der Stadt errichtet wurde. Die Heilige Gertraude wurde im Jahr 626 als Tochter von Pippin dem Älteren, einem Vorfahren des späteren Karolinger-Geschlechtes, geboren und starb 659.

Sie war Äbtissin des Klosters Nivelles in Brabant, gründete die Benediktinerinnenabtei im unterfränkischen Karlburg, die sich besonders um Arme, Kranke und Gebrechliche kümmerte. Für  Wandermönche ließ die Äbtissin ein Spital bauen. So wurde Gertraude bald als „Schutzherrin der Landstraße“ bekannt.

Nach ihrem Tod wurde sie als Heilige verehrt und unter anderem als Helferin gegen Mäuse- und Rattenplagen angerufen. Sie ist Schutzpatronin der Katzen, der Reisenden und Pilger, der Gärtner, der Armen und Witwen. Auch die drei Meter hohe Bronzefigur auf der Gertraudenbrücke zeigt die Heilige, wie sie einem durstigen Wanderer einen Krug reicht.

Ihr Schöpfer war 1896 Rudolf Siemering, in Bronze gegossen wurde sie in der Kunstgießerei Lauchhammer. Im Postament tummeln sich zahlreiche bronzene Ratten und Mäuse, sie zu streicheln verheißt eine ständige Geldvermehrung im eigenen Portemonnaie.

Fast wäre sie gegen Ende des Zweiten Weltkrieges eingeschmolzen und zu Kriegsgerät geworden; die Stadt hatte sie bereits abbauen lassen. Ein Bronzegießer versteckte sie jedoch und bewahrte sie vor der Vernichtung. 1954 kehrte sie auf ihren Brückenplatz zurück.

Die Figur wurde 2017 entfernt, für Restaurierungsarbeiten und eine Sanierung des Brückengeländers, wie es in der Senatskulturverwaltung hieß. Im Januar 2019 war die Figur noch nicht zurückgekehrt, auch Sanierungsarbeiten an der Brücke waren nicht erkennbar.

Die alte Gertraudenbrücke – wir sehen sie heute in der 1896/96 errichteten Form als Gewölbebrücke mit Oberflächenverkleidung aus dunkelgrau-brauner rheinischer Basaltlava – ist heute Fußgängern und Radfahrern vorbehalten.

Für den massiven motorisierten Verkehr wurde seitlich der denkmalgeschützten alten Querung 1977 eine schmucklose Stahlträger-Autobrücke errichtet. Sie ist sanierungsbedürftig, eigentlich ist auch eine Neugestaltung mit Annäherung an die historische Situation vorgesehen. Praktischer Fortschritt ist nicht zu erkennen.