Die Galeries Lafayette wurde im Februar 1996 an der Friedrichstraße eröffnet. Das Gebäude wurde von dem französischen Architekten Jean Nouvel entworfen, gehört seit 2012 einer Immobilientochter der Allianz.
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Berlin-MitteAuf der Einkaufsmeile Friedrichstraße droht erneut der Wegzug eines Flaggschiffs – der Galeries Lafayette. Für den Fall, dass es zu keiner akzeptablen Lösung bei den derzeitigen Mietverhandlungen kommt, hat das französische Nobelkaufhaus offenbar neue Standorte im Visier. Nach Informationen der Berliner Zeitung gibt es bei der Galeries Lafayette Überlegungen, an den Alexanderplatz oder an den Kurfürstendamm umzuziehen.

Noch hält das Kaufhaus an der Friedrichstraße fest. Man wolle nicht umziehen, heißt es offiziell. „Wir investieren in den Standort“, sagt Sprecherin Nelly Hemmann. „Vergangenes Jahr wurde die Schmuckabteilung erweitert. Nun wollen wir die Gourmet-Abteilung vergrößern.“ Doch hinter den Kulissen sieht es offenbar anders aus.

Suche nach anderen Standorten

Die Galeries Lafayette sei auf der Suche nach anderen Standorten in der Hauptstadt, erklärt jetzt ein Vertreter eines namhaften Immobilienunternehmens der Berliner Zeitung. „Das Unternehmen ist an Berlin weiter interessiert. Daher denkt man über einen Umzug an den Kurfürstendamm oder zum Alex nach, falls das Kaufhaus an der Friedrichstraße nicht bleiben kann“, sagt der Insider.

Der Grund sei eine mögliche Mieterhöhung am jetzigen Standort. Diese wolle die Galeries Lafayette offenbar nicht mitgehen, so der Insider. Das Kaufhaus befindet sich seit 1996 an der Friedrichstraße im Quartier 207, das seit 2012 der Allianz Real Estate gehört.     „Wir sind mit dem Mieter im Gespräch“, sagt Unternehmenssprecher Phillip Lee, der über Details zum Mietvertrag und der künftigen Miethöhe schweigt.

Kurfürstendamm oder Alexanderplatz?

Die Mietverhandlungen waren ein Grund, weshalb die Galeries Lafayette auch um ein Gespräch mit dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) und Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) bat. Ein Treffen fand statt. Möglich, dass dabei über einen alternativen Umzug des Kaufhauses zum Kurfürstendamm oder zum Alexanderplatz gesprochen wurde. Dementiert wird es jedenfalls nicht. „Der Senat ist mit dem Unternehmen weiter im Gespräch. Über Inhalte können wir uns nicht äußern“, sagt ein Sprecher der Wirtschaftsverwaltung auf Anfrage.

Im Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf habe man bereits gehört, dass die Galeries Lafayette   an den Ku'damm ziehen wolle, erklärt Bezirksbaustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne). „Allerdings gibt es   nichts offizielles“, sagt er. Auch bei der Arbeitsgemeinschaft City kenne man mögliche Absichten. „Ich würde es begrüßen, wenn das Kaufhaus an den Ku'damm käme“, sagt AG-City-Vorstand Uwe Timm.

Mehr Besucher für Friedrichstraße

Anders sieht es der Bezirksbürgermeister von Mitte, Stephan von Dassel (Grüne). „Ein Wegzug der Galeries Lafayette wäre für die Friedrichstraße eine Katastrophe“, sagt er. Ein fatales Signal für die Einkaufsmeile, die unter mangelnden Kundeninteresse und 25-prozentigem Ladenleerstand leide. Zuletzt hatte die Modekette H&M ihr zweites Geschäft an der Friedrichstraße aufgegeben.

Aktuelle Zahlen habe von Dassel nicht. „Wir werden alles versuchen, die Galeries Lafayette zu halten, mehr Besucher in die Friedrichstraße zu bekommen“, sagt er. Dazu solle auch der Test dienen, die Meile für drei Monate zur Fußgängerzone zu erklären. Am 21. Juni werde sie mit der Fête de la Musique eröffnet. Zum Alexanderplatz als neues Quartier für die Galeries Lafayette sagte von Dassel: „Ich glaube nicht, dass der Platz mit Galeria Kaufhof, C&A oder Alexa auch der geeignete Standort für ein Nobelkaufhaus wäre.“

In Branchenkreisen wird schon lange über einen Wegzug der Galeries Lafayette gesprochen. So hieß es 2019, dass Nobelkaufhaus wolle nach Hamburg ziehen. Dem erteilte jetzt ein Sprecher der Pariser Kaufhaus-Zentrale gegenüber der Berliner Zeitung eine Absage: „Wir lehnen jeden Wunsch ab, unseren Standort Berlin zu verlassen“, sagt er. Egal wo dieser in der Stadt künftig sein wird: „Ich gehe davon aus, dass die Galeries Lafayette in Berlin bleibt“, sagt Nils Busch-Petersen, Chef des Berliner Einzelhandelsverbandes.