In Berlin wird über den Bau neuer Hochhäuser diskutiert. Der Grund: Der russische Investor Monarch hat jetzt den Bauantrag für einen 150 Meter hohen Wohnturm am Alexanderplatz gestellt. Das Hochhaus soll neben dem Einkaufszentrum Alexa entstehen und der größte Wohnturm der Stadt werden.

„Wir sind optimistisch, dass die Baugenehmigung zügig erteilt wird und der erste Spatenstich noch 2016 erfolgen kann“, sagte Karl Jürgen Zeller, Geschäftsführer der Bewocon, die das neue Wohnhochhaus im Auftrag des Investors vermarktet.  2019 soll der Neubau fertig sein.

Ein Projekt in der Warteschleife

Dem einen Hochhaus könnten bald weitere folgen, wenn es nach Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) geht. Er sagte zur Berliner Zeitung: „Berlin muss auch in die Höhe wachsen können, um Flächenressourcen zu schonen.“ Am Alexanderplatz könnte das Wachstum sogar „sehr hoch“ sein. „Nicht umsonst haben wir den Masterplan für den Alexanderplatz überarbeitet“, so Geisel. Danach sollen dort, wie berichtet, bis zu neun Hochhäuser errichtet werden.

„Mit dem jetzigen Bauantrag werden unsere Ideen weithin sichtbar“, sagte Geisel. „Ich kann andere Investoren nur ermutigen, weitere Projekte auf den Weg zu bringen. Nicht nur am Alexanderplatz, auch in der City West.“

Der Wohnturm von Monarch ist das zweite Hochhausprojekt am Alexanderplatz, für das konkrete Pläne vorliegen – aber womöglich das erste, das realisiert wird.

39 Stockwerke mit rund 475 Apartments

Der US-amerikanische Investor Hines hatte zwar schon vor zwei Jahren Entwürfe für einen 150 Meter hohen Turm neben dem Elektronikmarkt Saturn präsentiert, doch kommt das Projekt nicht aus den Startlöchern. Denn der Investor hat sich bisher mit den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) nicht darüber verständigt, was im Fall einer baubedingten Havarie auf der Linie U5 passiert, die neben dem Hochhaus-Standort verläuft.

Der von Monarch geplante Alexander Tower soll nach Plänen des Architekturbüros Ortner & Ortner entstehen. Sie wollen auf 39 Stockwerken rund 475 Apartments mit einer Größe von 30 bis gut 400 Quadratmetern errichten.

Luxuswohnungen mit Kino, Geschäften, Fitness-Bereich

Der Turm soll laut Bewocon zu einem „Luxuswohngebäude“ werden. In den ersten drei Etagen sind Geschäfts- und Gewerbeflächen vorgesehen, darüber sollen Gemeinschaftseinrichtungen wie ein Kino, ein Fitness-Bereich sowie ein Privatrestaurant entstehen.

Ab dem sechsten Stockwerk aufwärts sollen die Wohnungen errichtet werden. In den unteren Wohn-Etagen beginnen die Kaufpreise bei 5000 Euro je Quadratmeter, in den oberen sollen sie mehr als 10.000 Euro betragen. Der Wohnturm richtet sich laut Bewocon vor allem an ein internationales Publikum.

Linke befürchten Beeinträchtigung der Sichtachse

Der Bezirk Mitte steht den Bauplänen für das Monarch-Hochhaus wohlwollend gegenüber. „Vorbehaltlich der ausstehenden Prüfung ist davon auszugehen, dass das Vorhaben genehmigungsfähig ist, da dem Antrag Bauberatungen voraus gingen“, erklärte Jugendstadträtin Sabine Smentek (SPD) in Vertretung von Baustadtrat Carsten Spallek.

Die Linken-Abgeordnete Katrin Lompscher steht den Hochhausplänen am Alex dagegen ablehnend gegenüber. Der Wohnturm von Monarch beeinträchtige aufgrund seines Standortes und der Gebäudehöhe „massiv die städtebaulich zentrale Sichtachse von der Karl-Marx-Allee zum Fernsehturm“, bekräftigte sie ihre Kritik.  „Denkbar wäre allenfalls ein Baukörper mit einer Höhe wie das Haus des Lehrers.“

Planvolle Entwicklung verlangt

Lompscher steht dem Bau von Hochhäusern jedoch nicht generell ablehnend gegenüber. Vor dem Hintergrund der wachsenden Einwohnerzahl brauche Berlin eine Hochhaus-Debatte, sagte sie. Ziel müsse es aber sein, planvoll vorzugehen und spontane Hochhausentwicklungen wie am Hotel Estrel in Neukölln zu verhindern, wo ein 175 Meter hoher Hotelturm geplant ist. Der Immobilien-Makler Nikolaus Ziegert wirbt unterdessen für den Bau von Hochhäusern.

„Mehr und mehr Menschen wollen in der Innenstadt wohnen. Wer in dieser Situation an der Traufhöhe festhält, fördert die Verdrängung, denn schließlich wollen wir ja auch nicht alle Grünflächen zubauen“, sagte er. „Ich kann mir vorstellen, dass wir zwischen Media Spree, Alexanderplatz, entlang der Leipziger Straße über den Potsdamer Platz bis zur City West mehr Hochhäuser bekommen.“