Seine Fotos sind wild, manchmal trashig, meist mit viel nackter Haut – Oliver Rath (34) ist ein Liebling der jungen, urbanen Szene. Der gebürtige Heidelberger, der lange Zeit DJ war, bezeichnet sich selbst als Autodidakt. Vor etwa viereinhalb Jahren hat er mit der Fotografie angefangen, und er hat es schon weit gebracht.

Er hat Karl Lagerfeld vor der Linse gehabt, Boris Becker, Cosma Shiva Hagen – und er hat sich bei der Fashion Week mit Jan Luckenbill zusammengetan, der auf bestem Wege ist, eine Berliner Modeikone zu werden. Nun schreibt Luckenbill Kolumnen für Raths Fotoblog, sie machen gemeinsam schräge Interviews.

Rath ist gewissermaßen ein Fotograf 2.0, er fotografiert digital und hat das Internet mehr als andere für sich entdeckt. Mehr als 12.200 Leute haben bei Facebook geklickt, dass ihnen gefällt, was in seinem Blog zu sehen ist. Seit Kurzem hat Rath, der in Wedding wohnt, auch eine eigene Galerie, in der Rosenthaler Straße 66 in Mitte. Die Räume gehören zum Design-Hotel Amano. „Freunde von mir“, sagt Rath. Auch die Lobby und die Bar wird er mit Fotos ausstatten.

Eröffnung wie Familienfeier

Die Werbung für die Rath-Gallery erfolgte ebenfalls auf neuen Wegen – als schlichte Notiz war sie im Blog angekündigt. Doch er hat auch mehrere Tausend Aufkleber mit seinen Fotos fertigen lassen. Sein Assistent Emmanuele Contini, studierter Architekt und ebenfalls ein begabter Fotograf, der bald in Kreuzberg eine eigene Ausstellung eröffnen will, hat sich darum gekümmert, dass sie unters Volk kommen, dort, wo die junge kreative Szene lebt. Geklebt und ausgelegt wurden die postkartengroßen Bilder in Mitte, Prenzlauer Berg, Kreuzberg und Neukölln.

Die Eröffnung ähnelte einer Familienfeier – viele Freunde schauten vorbei. Und Raths Baby Matilda (9 Monate) krabbelte unter den Werken des Vaters. Die in der Rath-Gallery ausgestellten Fotos sind längst nicht so schrill wie viele im Blog. Im Gegenteil, die Schwarz-Weiß-Motive zum Thema „Kamera“ strahlen eine innere Ruhe aus.