Hinsetzen? Das geht leider nicht, die meisten Sitzgruppen sind besetzt. Von Wohnungslosen, die Alkohol trinken. Oder von Menschen, die malade aussehen und auf andere zu warten scheinen. Im Stehen die Zeit bis zur Abfahrt verbringen? Möglich, aber ungemütlich. Immer wieder geht jemand hektisch hin und her, es wird in Rucksäcken und Koffern gekramt. Menschen stehen flüsternd zusammen, um Päckchen gegen Geld zu tauschen. Jens Wieseke beobachtet das Treiben im U-Bahnhof Heinrich-Heine-Straße in Mitte. „So geht es hier meist zu. Aus meiner Sicht ist das die schlimmste U-Bahnstation in Berlin“, erzählt er.

Seit 14 Jahren wohnt Wieseke in diesem Teil von Mitte. Der Sprecher des Fahrgastverbands IGEB benutzt die U-Bahn häufig. „Ich fahre auch mit der U 2, da habe ich keine Probleme, deren Bahnhöfe sind in Ordnung. Doch meist bin ich mit der U 8 unterwegs. Und hier, auf dem U-Bahnhof Heinrich-Heine-Straße, ist es seit einigen Monaten immer schlimmer geworden“, berichtet Wieseke. „Wenn ich morgens um halb sieben auf den Bahnsteig komme, um zur Arbeit zu fahren, sehe ich meist das gleiche Bild: Es werden Drogen konsumiert und gehandelt. Am Wochenende ist das genauso. Ich finde das belastend.“

Dass sich zuweilen auch Wohnungslose im U-Bahnhof aufhalten, sei „okay. Dagegen ist erst mal nichts einzuwenden“. Doch an die Süchtigen, die zitternd auf ihre Drogenlieferung warten, und die Händler, die ihren Geschäften nachgehen, kann sich der Berliner nicht gewöhnen. Und er will es auch nicht.

Mehr Licht und ein neuer Zugang

Jens Wieseke ist auch nicht mit dem Erscheinungsbild des U-Bahnhofs einverstanden. Er hat den Eindruck, dass die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) diese Station aufgegeben haben, sagt er. „Sie wirkt so, als ob Probleme hierher abgeschoben würden. Und als ob sie keinen mehr interessieren würde. Dieser Bahnhof ist einfach nur grauenhaft.“

Meist dauere es vier Wochen und länger, bis Farbschmierereien entfernt werden. Der nördliche Zugang, in dem sich auch ein Eingang zu einem Club befindet, ist von Graffiti übersät. Im südlichen Vorraum riecht es nach Urin, dort lassen sich Obdachlose nieder. Wie auf allen anderen 172 Berliner U-Bahnhöfen ist hier kein Bahnsteigpersonal mehr stationiert, einen Laden oder Imbiss gibt es nicht. Wieseke: „Es fehlt an der sozialen Kontrolle.“

Ein Schwerpunkt des Berliner Drogenhandels sei diese Station nicht, heißt es bei der Polizei. Allerdings bestätigte sie: „Auf dem U-Bahnhof halten sich regelmäßig in den Morgenstunden Drogenkonsumenten auf, die nach Aussagen von Beschwerdeführern auch nicht davor zurückschrecken, innerhalb des Bahnhofes ihre Notdurft zu verrichten.“ Die Zahl der registrierten Straftaten sei gestiegen – was allerdings vor allem das Schwarzfahren beträfe, weil öfter kontrolliert wird.

Trotzdem: Aus Polizeikreisen ist zu erfahren, dass dieser und andere U-Bahnhöfe an der U 8 unter verstärkter Beobachtung stehen. „Auch wir haben die Probleme erkannt“, sagte die BVG-Sprecherin Petra Reetz. „Zusammen mit Anwohnern, dem Landeskriminalamt, dem Bezirk und anderen haben wir einen Arbeitskreis gegründet.“

Erste Resultate gebe es bereits. Seit Oktober werde der Bahnhof doppelt so oft gereinigt wie zuvor. Es soll auch hellere Beleuchtung und mehr Videokameras geben. Von 2018 an werde der U-Bahnhof ohnehin renoviert. Und bis dahin sei hoffentlich auch klar, ob ein wichtiges Projekt realisiert werden kann: „Wir wollen den nördlichen Zugang verlegen“ – weg vom Club-Eingang. „Es gibt ungeklärte Eigentumsverhältnisse. Aber wir sind an der Sache dran.“