Der Streit zwischen den 22 Bewohnern des Hauses in der Berlichingenstraße 12 und dem Eigentümer eskaliert. Der Eigentümer will die Bewohner offenbar mit allen Mitteln aus dem Gebäude drängen, das bis Jahresanfang unter dem Namen Gästehaus Moabit als Unterkunft für Obdachlose diente. Am Mittwoch ließ der Eigentümer von den Berliner Wasserbetrieben das Wasser in dem Haus abstellen. „Er hat uns dazu aufgefordert mit der Begründung, Obdachlose hätten das Haus besetzt“, sagte Sprecherin Astrid Hackenesch-Rump.

Versagen des Bezirksamts

Die Bewohner hatten über ihren Rechtsanwalt aber schon nach der Ankündigung des Eigentümers, das Wasser abzustellen, beim Gericht am 22. Juni eine einstweilige Anordnung beantragt, sagt Mittes Sozialstadtrat Stephan von Dassel (Grüne). In dem Fall sieht er auch ein Versagen des Bezirksamts. Denn nachdem der Eigentümer dem bisherigen Betreiber gekündigt hatte und die Männer bis zum 31. Januar ausziehen sollten, wurde keine Lösung gefunden. „Das Bezirksamt weigert sich auch, die Betriebskosten etwa für Strom und Wasser zu übernehmen, weil das rechtswidrig wäre. Die Müllabfuhr bezahle ich persönlich, 230 Euro im Monat, damit ein Chaos und eine Müllkippe verhindert werden“, sagte von Dassel. Dass der Eigentümer einfach das Wasser abstellen lässt, sei eine Form der Auseinandersetzung aus dem vorvergangenen Jahrhundert.

Die Zukunft der Bewohner – einige Männer leben in dem Haus seit mehr als 13 Jahren – ist weiter ungewiss. Auf Verhandlungsangebote des Bezirks ging der Eigentümer bisher nicht ein. Daher wurden zwei pflegebedürftige Bewohner inzwischen in anderen Einrichtungen untergebracht. Die Berliner Wasserbetriebe fühlen sich in der Auseinandersetzung missbraucht. Sie haben am Donnerstagnachmittag die Wasserversorgung für die Bewohner wieder angestellt.