Berlin - Sehr grob gesagt lassen sich die Männer auf den Parkbänken in zwei Gruppen teilen: deutsche Männer mit Bierflaschen und arabische Männer ohne Bierflaschen. Letztere fühlen sich sofort beobachtet, wenn man sie anschaut und nicht gesenkten Blickes an ihnen vorbei huscht. Sie sprechen Passanten an, weil sie sie für Kunden halten oder beschimpfen sie, weil sie sie als Polizisten wähnen.

In der Grünanlage an der Moabiter Turmstraße hat sich seit dem vergangenen Herbst einiges verändert. In dem Park, der Kleiner Tiergarten genannt wird und von der Stromstraße und der U-Bahnstation Turmstraße durchschnitten wird, haben Drogenhandel, Diebstähle und Gewalt, zugenommen. Wie die Polizei auf Anfrage dieser Zeitung mittelte, registrierte die von Januar bis Ende Mai 199 Rohheitsdelikte. Im selben Zeitraum 2015 waren es 61 Fälle.

Rauschgifthändler stammen derzeit überwiegend aus Afrika

Direkt am Kleinen Tiergarten liegt das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso). Mit dem Flüchtlingsandrang im Herbst stiegen auch die Kriminalitätszahlen. „Bei den festgestellten Rauschgifthändlern im Kleinen Tiergarten handelt es sich derzeit überwiegend um Asylbewerber aus Afrika“, sagt ein Polizeisprecher. Einige kamen mit dem Flüchtlingsstrom, sagen Fahnder. Andere seien vorher schon da gewesen und hätten unter den Flüchtlingen im nahen Lageso Komplizen rekrutiert.

In die Statistik der Gewaltdelikte fließen laut Polizei auch körperliche Auseinandersetzungen unter Wartenden im Lageso beziehungsweise mit den dortigen Sicherheitsdiensten ein. Doch die Kriminalitätszahlen blieben hoch, nachdem der Andrang am Lageso wieder abgenommen hatte. „Darüber hinaus gibt es Hinweise darauf, dass im Kleinen Tiergarten agierende Rauschgifthändler auch an Rohheitsdelikten beteiligt sind“, formuliert die Polizei.

"Kriminalitätsbelasteter Ort"

Von Januar bis Mai wurden auch 312 Diebstähle erfasst, gegenüber 157 Delikten im Vorjahreszeitraum. Diese Steigerung beruht vor allem auf dem Anstieg der Taschendiebstähle von 43 auf 135 Taten. Als Grund für die Zunahme sieht die Polizei „günstige Tatgelegenheitsstrukturen“ wegen des hohen Personenaufkommens im Bereich der an den Park grenzenden Turmstraße, der Zugänge zum U-Bahnhof und der Bushaltestellen, „da diese Bereiche nun noch zusätzlich durch Menschen frequentiert werden, die beim Landesamt für Gesundheit und Soziales vorsprechen möchten.“

Nach Informationen der Berliner Zeitung erklärte die Polizei den Park kürzlich intern zum „kriminalitätsbelasteten Ort“. In dieser Liste finden sich etwa das Kottbusser Tor und die Gegend um das RAW-Gelände in Friedrichshain. Letzte Woche wurde im Kleinen Tiergarten ein 16-Jähriger seines Handys beraubt und mit einem Messer verletzt, als er Abends durch den Park ging. Zuvor hielten mehrere Männer einem 22-Jährigen ein Messer an den Hals, schlugen mit einer Flasche auf ihn ein und beraubten ihn. Wenig später wurde ein 48-Jähriger durch einen Messerstich schwer verletzt.

Anwohner trauen sich nicht mehr in den Park

Inzwischen trauen sich manche Anwohner nicht einmal mehr am Tag in den Park. Geschäftsinhaber klagen über Belästigungen durch Dealer. Zu dem neuen Kriminalitäts-Brennpunkt gab es schon eine Anwohnerversammlung, bei der Mitarbeiter des Polizeiabschnitts 33 erklärten, dass jetzt stärker präsent seien. Auf die Frage, was die Polizei unternimmt, antwortet die Pressestelle, dass man gezielt Einsätze zur Bekämpfung der Kriminalität durchführe. Von Februar bis Ende Mai habe es 59 Einsätze gegeben. Wegen der erhöhten Polizeipräsenz habe man seit Herbst deutlich mehr Drogendelikte festgestellt.