Der Berliner Unternehmer Harald G. Huth ist eigentlich nicht wortkarg. Auf seiner Moabiter Baustelle Schultheiss-Quartier hat er sich am Freitag aber so gegeben, als ob er mit allem nichts zu tun hat. Selbst als der Grundstein für das neue Einkaufszentrum an der Stromstraße Ecke Turmstraße gelegt wurde, stand er abseits und nahm lieber einen kleinen Imbiss zu sich. Er sei hier nur Gast, ließ er wissen. Nicht ganz richtig: Denn die neue Passage, in die Huth etwa 200 Millionen Euro investiert, ist sein aktuellstes Bauprojekt in der Stadt.

Fast drei Jahrzehnte hat es gedauert, bis für das Brauereigelände ein neues Konzept gefunden wurde und nun umgesetzt wird. Beiderseits vom denkmalgeschützten Sudhaus sind die Baugruben bereits ausgehoben: An der Turmstraße entsteht eine zweigeschossige Tiefgarage mit 400 Parkplätzen, darüber wird ein Meininger-Hotel mit 250 Zimmern errichtet. 

An der Perleberger Straße ist eine 7000 Quadratmeter große Kaufland-Filiale vorgesehen. Herzstück ist dazwischen aber eine Mall, die sich über das Gelände sowie durch das alte Sudhaus zieht, das seinen burgähnlichen Charme mit gelber Backsteinfassade, Zinnen und Türmchen behalten soll. „150 Geschäfte wird es hier geben“, sagt Karsten Kluge, der Geschäftsführer von Huths Unternehmen HGHI. Im Frühjahr 2018 soll das Einkaufszentrum eröffnen. 

Gute Mischung

30.000 Quadratmeter Shopping-Fläche in einem Center sind eigentlich nicht viel, für  Moabit ist das dennoch riesig. Nach Einschätzung von Nils Busch-Petersen, dem Chef des Handelsverbandes, wird das Einkaufszentrum der Turmstraße gut tun. Denn gebraut wird in Moabit schon seit 1987 nicht mehr, damals schloss Schultheiss. Ein Vierteljahrhundert wurde dann im Sudhaus Badminton, Squash und Tischtennis gespielt. Künstler hatten auf dem Gelände Ateliers, in den Nebenhäusern gab  es Autowerkstätten. Das neue Einkaufszentrum ist für Busch-Petersen jetzt der Ausdruck des Wandlungsprozesses in Moabit und auch in der Einkaufswelt: „Wir brauchen in Zeiten, wo es immer mehr Online-Händler gibt, bessere Verkaufseinrichtungen“, sagt er. Huth liefere diese Qualität.

Auch Senatsbaudirektorin Regula Lüscher lobt das Projekt wegen der guten Mischung – und vor allem, weil es auch Wohnungen geben soll. Laut HGHI sollen über Kaufland 140 kleine Appartements entstehen, die voraussichtlich an Studenten vermietet werden sollen. Doch das ist umstritten, weil auf dem Gewerbeareal Wohnen nicht zulässig ist. Daher könnte dort auch ein weiteres Hotel oder ein Hostel entstehen. Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) ist mit der Entwicklung auf dem Areal zufrieden: „Es gibt viele Moabiter, die über Kaufkraft verfügen, aber hier kein Angebot finden.“ Das ist bald vorbei.