Berlin - Um die Bürger in Schach zu halten, wurden Zäune aufgestellt. Und damit Dutzende von Bäumen ohne störende Proteste abgeholzt werden konnten, war auch die Polizei vor Ort. Unter ihrem Schutz ließ der Bezirk Mitte im vergangenen Herbst im Ottopark mitten im Moabiter Zentrum mehr als 50 Bäume fällen. Noch einmal 35 Bäume sollen in diesem Jahr folgen, wenn auch der westliche Teil des Kleinen Tiergartens bis zur Stromstraße umgestaltet wird. Umweltverbände und Bürgerinitiativen kritisieren das Vorgehen: Bürgerbeteiligung würde fehlen, die Proteste ignoriert, man würde „hingehalten und vom Bezirk ausgetrickst“.

Hoffnung auf Investoren

Die Grünanlagen in Moabit sehen verwildert aus und heruntergekommen, weil sie seit Jahrzehnten nicht gepflegt wurden. Die Wege sind kaputt. Nahe dem U-Bahnhof Turmstraße trifft sich an den wenigen Parkbänken die Trinkerszene. Eigentlich fehlt es an allem, was einen Park als Aufenthalts- und Erholungsort auszeichnet. Deshalb planen Bezirk und Senat seit 2010 die Umgestaltung des rund zwei Hektar großen Areals. Neue Wege sollen angelegt werden und große Liegewiesen entstehen, ebenso neue Spielbereiche mit Basketballfeld sowie Sitzgelegenheiten. Etwa 2,5 Millionen Euro stehen dafür aus dem Bund-Länder-Programm Aktive Stadtzentren zur Verfügung. Sie sollen investiert werden, um den Niedergang der Turmstraße als Geschäftsstraße zu stoppen, der durch die Schließung der Warenhäuser Hertie und Woolworth noch beschleunigt wurde. Die Politiker hoffen, mit einem attraktiven Umfeld – dazu gehören auch die Parkanlagen – neue Investoren anzulocken.

Doch dies lässt sich nicht geräuschlos umsetzen. Obwohl es mehrere Diskussionen mit Anwohnern gab und auch Änderungen vorgenommen wurden, reißt die Kritik am Umbau der Parks nicht ab. „Gegen die Planung haben wir 2800 Unterschriften gesammelt. Bäume und Büsche wurden schon vernichtet. Jetzt brauchen wir eine echte Bürgerbeteiligung“, sagt Anwohner Karl Amannsberger. Die verlangt auch die Bürgerinitiative Silberahorn-Plus: „Beim Ottopark ist alles vorbei“, sagt Brigitte Nake-Mann. Aber im Kleinen Tiergarten müssen die „erhaltenswerten Bäume stehen bleiben und nicht den Gestaltungswünschen geopfert werden“. Die Baumschützer kritisieren, dass bei den Baumfällungen ein Moratorium ignoriert wurde. Auch ein vom Bezirksparlament beschlossenes Mediationsverfahren gebe es nicht.

Stadtrat redet Klartext

Für die Stadtteilvertretung ist der Baum-Kahlschlag zwar ein Sündenfall. „Einige Bäume wurden aber gerettet. Wir finden die Planungen gut, weil viele Bäume zu dicht stehen und sich gegenseitig Licht und Nährstoffe nehmen“, sagt Sprecherin Angelika Adner.

Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) steckt damit in einer ähnlichen Zwickmühle wie schon sein Amtsvorgänger Ephraim Gothe (SPD). Allen Anwohnern kann er es nicht recht machen. Am Sonnabend hat er während eines Runden Tisches mit den Initiativen Klartext geredet: „Der Prozess der Bürgerbeteiligung ist abgeschlossen. Alles was jetzt zusätzlich gemacht und an den Planungen geändert wird, kostet Geld. Das haben wir nicht“, so Spallek. Zudem müsse die Planung grundsätzlich nicht mehr verändert werden, weil sie auch mit Denkmalschützern und mit Anwohnern abgestimmt sei.