Von unten nach oben: Eine U-Bahn auf der Schönhauser Allee.
Foto: Imago Images/Seeliger

BerlinOben ’rüber oder auch unten durch? Das ist eine Frage, die in Berlin die rot-rot-grüne Koalition entzweit. Soll ausschließlich das Straßenbahnnetz erweitert werden, oder wäre es nicht auch sinnvoll, neue U-Bahnen zu planen?  

Bei den Schlussberatungen über den Doppelhaushalt 2020/21 blitzte die SPD mit ihrem Wunsch ab, Planungsmittel für Verlängerungen der U2, U3 und U8 bereitzustellen. Das ist eine schlechte Nachricht.   Dabei gibt es in diesem Streit auf beiden Fronten gute Argumente. Auf der einen Seite stehen Skeptiker wie der Fahrgastverband IGEB und viele Grüne, die darauf hinweisen, dass der technisch und baulich viel einfachere Straßenbahnausbau in Berlin nur sehr gemächlich vorankommt.

Zukunftsplanung

Die Verantwortlichen sollten ihn endlich forcieren, anstatt knappe Planerkapazitäten und langsam wieder knapp werdende Mittel für wenige teure U-Bahn-Kilometer zu reservieren. So ließe sich schneller ein größerer Effekt erzielen.  Auf der anderen Seite   beharren SPD-Politiker und ihre Mitstreiter (darunter  Grüne wie Ex-Staatssekretär Jens-Holger Kirchner) darauf, dass Berlin an die Zukunft denken muss.

Das stimmt. Die Stadt wächst, das Schienennetz muss mitwachsen. Dazu gehören U-Bahn-Trassen dort, wo sie sinnvoll sind – etwa in Innenstadtbereichen wie zwischen Steglitz, Mitte und Weißensee oder in neue Wohngebiete wie im Berliner Nordosten oder auf dem heutigen Flughafen Tegel.   Sicher sind U-Bahnen teurer als Straßenbahnstrecken, doch Kapazität und Tempo sind größer. Berlin muss mehrgleisig fahren. Es muss gelingen, den Tramausbau zu beschleunigen – und U-Bahn-Erweiterungen vorzubereiten. Andere Großstädte schaffen das. Warum nicht auch Berlin?