Mit einem bestimmten Bus-Typ haben Fahrer der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) ein massives Problem. „In diesen Bussen wollen wir nicht mehr arbeiten“, sagt einer von ihnen. „Kollegen klagen über Kopfschmerzen, Augenreizungen, Hautreizungen, Kurzatmigkeit, Magenprobleme. Einige mussten sich übergeben.“ Sie haben das Gefühl, dass die Fahrzeuge sie krankmachen.

Jetzt ließen zwei Fahrer Blut und Urin in einer Uniklinik untersuchen. Das Ergebnis ist alarmierend: „Es wurden Substanzen gefunden, die im Dieselkraftstoff vorkommen.“ Stoffe, die Müdigkeit auslösen und als gesundheitsschädlich gelten.

„Ich kenne Kollegen, die sich weigern, wenn sie einen solchen Bus fahren sollen. Sie verlangen, dass das Fahrzeug getauscht wird“, erzählt der BVGer. Bei diesem Bustyp „ist es vorgekommen, dass man einen Kollegen wegen Atemnot vom Fahrzeug holen musste. Zudem beschwerten sich Fahrgäste, weil sie den Eindruck hatten, dass jemand in die Ecke gepinkelt hat.“ Das Problem trete nicht in allen Bussen dieses Typs auf, aber in einem Teil der Flotte.

Liegt es am Dieselkraftstoff?

Es geht um Busse des niederländischen Herstellers VDL. Die 110 VDL Citea LLE sollten dem Landesunternehmen Kosten ersparen, weil sie leichter sind als andere Zwölf-Meter-Wagen. Viel Kunststoff wurde verbaut, was Dieselverbrauch und Abgase verringern soll. Doch statt alte Probleme zu lösen, bescherten die Leichtbaubusse der BVG ein neues: üble Gerüche im Inneren.

Manch ein Fahrer fühlte sich an Katzenurin erinnert. Ein Gutachter sprach von einem süßlich-aasigen Geruch. Er war einer der Experten, die in zwei Untersuchungen für die BVG zum Schluss kamen, dass die Gesundheit des Personals und der Fahrgäste in den Bussen nicht gefährdet sei.

Die BVG lässt nun ätherische Öle in den Bussen verdunsten, als biologisches Gegenmittel. Einige Fahrzeuge kamen in die Werkstatt, unter die Wand hinter dem Fahrersitz wurden Lüftungsöffnungen gebohrt. Aus dem Hohlraum zwischen den beiden Kunststoffplatten war der üble Geruch ausgetreten – genauer gesagt aus den Bohrlöchern für die Türscharniere.

Im Mai 2016 dachten die Busleute: Jetzt ist das Problem beseitigt. Aber weit gefehlt! Es habe sich nur verändert, berichten Busfahrer. „Der Geruch ist anders geworden“, sagt einer. Möglicherweise habe das mit dem Dieselkraftstoff zu tun. So sei es denkbar, dass die Bus-Konstruktion dazu beitrage, dass dessen Ausdünstungen die Luft im Inneren belasten.

Inzwischen ist eine Gruppe von Busfahrern aktiv geworden. Die BVG-Mitarbeiter haben Angst um ihre Gesundheit. Sie sorgten dafür, dass ein BVG-Kollege sowie ein Mitarbeiter der Tochterfirma Berlin Transport Blut und Urin untersuchen ließen – auf eigene Kosten, für rund tausend Euro. „Beides wurde nach einem Dienst auf einem VDL-Bus abgenommen – in einem Fall 30 Minuten, im anderen drei Stunden später“, heißt es.

Die Flüssigkeiten wurden eingefroren und in die Uniklinik Göttingen gebracht. Das Ergebnis: „Es wurden acht Stoffe gefunden, die nichts in Blut und Urin zu suchen haben“ – und in dieser Konzentration normalerweise in der Umwelt nicht vorkämen. Dazu zähle Isopropanol – ein Alkohol, dessen Dämpfe betäubend wirken. Auch Aceton – ein Lösungsmittel. Und Toluol – ein aromatischer Kohlenstoff, der in Benzin vorkommt. Wer Toluoldämpfe einatmet, muss mit Symptomen wie Müdigkeit, Unwohlsein und Empfindungsstörungen rechnen. Auch eine weitere Verbindung namens n-Hexan, die laut Fahrer ebenfalls gefunden wurde, gilt als bedenklich.

Doch die BVG bleibt dabei: „Für das Fahrpersonal und unsere Fahrgäste ist es völlig ungefährlich, sich in den Bussen aufzuhalten“, sagt Sprecherin Petra Reetz. „Das haben wir zweimal extern untersuchen lassen, das sind keine Gefälligkeitsgutachten.“ Sie habe mit der Leitenden Betriebsärztin kürzlich über die Untersuchungen gesprochen, die von den Fahrern in Göttingen in Auftrag gegeben worden sind. Ergebnis: „Man hätte auch Proben aus dem Bus nehmen müssen“, sagt Reetz.

Für die Stoffe, von denen die Rede ist, gebe es keine Grenzwerte, und schädlich seien sie nach Auffassung der BVG auch nicht. Beispiel: „Auf 2-Heptanon, das ebenfalls gefunden wurde, basiert der Geruch von Gorgonzola“, erklärt die Sprecherin. Bei der jüngsten Personalversammlung des Busbereichs habe das Problem „keine Rolle gespielt“. Allerdings: „Unsere Leitende Betriebsärztin wird sich jetzt noch einmal mit den Gutachtern in Verbindung setzen.“

Flugblätter mit Spendenaufruf

„Es ist klar, dass die BVG versucht, das Thema herunterzuspielen“, sagt ein Fahrer. Er und die Kollegen fühlten sich alleingelassen.

Seit Montag verteilen sie in den Bus-Betriebshöfen Cicerostraße, Lichtenberg und Britz Flugblätter mit der Bitte um Spenden – für Vergleichsuntersuchungen und weitere Tests. „Wir wollen bis zu zehn Kollegen Blut und Urin abzapfen lassen. Für jeden von ihnen brauchen wir 500 Euro“, heißt es. Der Appell lautet: „Macht mit und stärkt uns den Rücken.“ Der Gewerkschaft Verdi ist das Problem mit dem unangenehmen Geruch bekannt. Ein weiteres Gutachten sei nötig. Jeremy Arndt von Verdi: „Wir prüfen, ob wir den Kollegen auch finanziell helfen können.“