Berlin - Ganesha ist ein gemütlicher Gott, dick und geduldig. Ganesha trägt ein elefantenköpfiges Haupt mit großen Ohren. Er ist weise, er zerstört das Böse, räumt Hindernisse aus dem Weg und sorgt für Glück. Der Tempel in der Neuköllner Hasenheide, der einmal Deutschlands größter werden soll, trägt seinen Namen.

Seit zwölf Jahren gibt es die Pläne für dieses Götterhaus, bereits 2006 sollte der Tempel fertig sein, pünktlich zur Fußball-WM. Auch Hindus mögen Sport. Doch daraus wurde nichts. 2007 feierten die Gläubigen mit eigens aus Indien angereisten Priestern den feierlichen Baubeginn, auch der frühere Neuköllner Bürgermeister Heinz Buschkowsky saß gut gelaunt zwischen Räucherstäbchen Früchten und Blumen, vielen heiligen Gaben für die 33 Millionen Götter, die es im Hinduismus gibt. Buschkowsky hatte dafür gesorgt, dass der Hindu-Verein das Pachtgrundstück an der Hasenheide erhielt.

108 Götter am Portal

Den Tempel gibt es bis heute nicht. Nur das 17 Meter hohe Eingangsportal steht schon da. An der Spitze sieht man kleine Götterfiguren, 108 werden es einmal sein. Das Portal ist eingerüstet, doch niemand arbeitet. Der Architekt, ein indischer Tempelbauer, ist vergangenen Oktober in seine Heimat gereist, Deutschland ist es ihm jetzt zu kalt. Im April kommt er zurück und modelliert weiter die Götter mit den Händen.

Vilvanathan Krishnamurty steht vor dem Baugerüst und schaut hinauf. „Wir sind schon weit gekommen“, sagt der 64-jährige Tempelgründer und Vize-Präsident des Vereins Sri Ganesha Hindu Tempel. Krishnamurty lächelt. Kein Wort des Ärgers, weil die Bauarbeiten so langsam vorangehen, kein Fluchen über die Verzögerungen, keine Unzufriedenheit. „Die Götter bestimmen das Tempo“, sagt Krishnamurty. Konkret Ganesha. „Der hat Geduld. Bei Ganesha geht es langsam und das ist normal.“ Manchmal dauert so ein Bau 20 Jahre. In Britz gibt es auch einen Hindu-Tempel. Fünf Jahre dauerte der Bau an der Blaschkoallee. „Er ist dem Gott Murugan gewidmet“, sagt Krishnamurty. „Murugan ist schnell, er hat es eilig.“ So einfach ist das.

Ärger mit den Behörden

Natürlich gab es in den vergangenen Jahren eine Reihe ernsthafter Probleme, ganz irdischer Art. Die indischen Tempelbauer kannten sich nicht gut mit deutschem Baurecht aus. In den geringen Fortschritten auf der Baustelle sah die Neuköllner Behörde einen Baustillstand, es gab Ärger. Und Verzögerungen. Dann fehlte das Geld.

In der indischen Stadt Bangalore suchte Krishnamurty immer wieder Geschäftsleute als Sponsoren. Etwa 800.000 Euro kostet der Bau. Doch die indischen Unternehmer reagierten zögerlich. Erst wenn der Tempel steht, wollen sie zahlen. Derzeit fehlen noch 250.000 Euro. Jetzt nimmt der Verein einen Bankkredit auf.

2018 endet die Baugenehmigung

Denn plötzlich drängt die Zeit. Nächstes Jahr endet die Baugenehmigung, dann muss der Tempel stehen, zumindest als Rohbau. „Wir müssen jetzt so schnell wie möglich fertig werden“, sagt Krishnamurty.

Am 16. April, Ostersonntag, beginnen die Bauarbeiter mit der Bodenplatte für den Tempel, eine feierliche Zeremonie wird es geben. „Wir beten jeden Tag, damit er fertig wird“, sagt Krishnamurty. Er habe den Auftrag von den Göttern bekommen, den Tempel zu bauen. „Das wird mein Lebenswerk.“

7000 Hindus in Berlin

Krishnamurty kam vor 41 Jahren nach Deutschland, seitdem lebt er in Neukölln, nur wenige Minuten vom Tempel entfernt. Der gelernte Schweißer wollte nach seiner Ankunft im Jahr 1975 nur kurze Zeit in Berlin arbeiten. Dann holte er seine Frau nach Berlin, zwei Kinder wurden geboren, die in Berlin ihr Abitur ablegten und studierten.

Heute arbeitet er als Übersetzer und Sachbearbeiter im Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten. Jeden Tag besucht er nach der Arbeit die Baustelle, und er betet. Die frühere Turnhalle auf dem Grundstück hat der Verein zum Gebetsraum umgebaut. Auch Hochzeiten und Zeremonien finden dort statt. Etwa 7000 Hindus leben in Berlin. In jüngster Zeit kommen vor allem Studenten, auch aus anderen Städten wie Leipzig, Dresden und Cottbus nach Neukölln.

Wenn der Tempel eröffnet, vielleicht 2018, wird die Turnhalle zum Kulturzentrum für Sprach-, Koch-, Yoga – und Meditationskurse. Im Tempel haben dann 300 Gäste Platz. Alle sind willkommen, ganz gleich, welchen Glauben sie haben, und auch Nichtgläubige. Interkulturell soll alles sein. „Unsere Kultur soll integrieren“, sagt Krishnamurty. Seine Söhne etwa haben Frauen mit anderen Religionen geheiratet.