Berlin - Mit einem Schild an der Ladentür hat die Inhaberin eines Neuköllner Esoterik-Ladens Angehörigen der Volksgruppe der Roma den Zutritt verboten. Seit Dienstagmittag sorgt in den sozialen Medien das Foto eines entsprechenden DIN A 4-Zettels an der Tür eines Ladens an der Emser Straße für Empörung. „Der Staatsschutz hat ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Volksverhetzung eingeleitet“, sagte Polizeisprecher Michael Gassen am Mittwoch der Berliner Zeitung.

Nachdem Polizisten am Mittwochmorgen  die Ladenbesitzerin darauf ansprachen, entfernte sie das Schild. Vor etwa zwei Wochen hatte die Frau nach eigener Aussage das Plakat an die Glasscheibe der Tür befestigt. Auf ihm war das Wort „Roma“ rot durchgestrichen.  Auf dem Zettel war außerdem  zu lesen:  „Aufgrund täglicher Diebstähle von Waren und des täglichen kompletten Diebstahls der Kassen-Einnahmen – inklusive Wechselgeld, Spendengelder der Kunden für Umweltprojekte – durch eine auf Raub- und Betrug spezialisierte Bevölkerungsgruppe, hat diese absolutes Ladenverbot“, schrieb die Besitzerin. „Ebenso wird hiermit ein Verbot der Annäherung der Straßenauslagen ausgesprochen! Dies ist kein ’Rassismus’. Nur was zu viel ist, ist einfach zu viel.“

Seit etwa zwei Monaten werde sie von den Dieben heimgesucht, sagt die Inhaberin. „Alle waren Roma. Manchmal kamen sie zu zweit, manchmal zu fünft. Oftmals Frauen, aber auch Männer und manchmal sogar Kinder.“ Die Masche sei immer die gleiche: Die einen würden sie ablenken, die anderen würden in der Zeit klauen:  Geld aus der Kasse, wertvolle Seiden-Schals, die 65 Euro kosten, Schmuck aus der Vitrine.  Als sie die Diebe einmal aus dem Geschäft geworfen habe, habe sie ein Mann mit einem Messer bedroht. Daraufhin habe sie das Plakat aufgehängt. „Sie vernichten meine Existenz!“, sagt die Frau.

Polizei ermittelt nicht wegen Ladendiebstahls

Eine Anzeige wegen Ladendiebstahls hat die Inhaberin nach Angaben eines Polizeisprechers nicht gestellt.  Angaben darüber, ob die Zahl der Ladendiebstähle in der Emser Straße in den vergangenen Monaten angestiegen ist, konnte die Polizei am Mittwoch nicht machen.

Ringsum in den Läden in der Emser Straße reagieren Mitarbeiter unterschiedlich. „Diebstahl sind wir hier gewohnt“, sagt einer. Unter den Tätern seien auch Roma-Familien. Ein andrer sagt, es werde geklaut, aber wer die Diebe sind, das wisse er nicht. In einem anderen Laden sagt eine Mitarbeiterin, sie vermute Diebe in allen Altersgruppen und Nationalitäten. „Woher will die Ladenbesitzerin wissen, wer klaut?“, sagt eine Geschäftsinhaberin ein paar Häuser weiter. „So ein Plakat ist unverschämt.“

Anzeige gegen die Ladeninhaberin

Romeo Franz von  der Hildegard- Lagrenne-Stiftung  für Bildung, Inklusion und Teilhabe von Sinti und Roma in Deutschland hat in das Foto an der Ladentür bei Facebook gesehen. Er wollte sich selbst ein Bild davon machen und ging zu der Ladenbesitzerin. Sie habe sich geweigert, das Schild abzunehmen, sagt er. Franz erstattete  daraufhin Anzeige gegen die Ladenbesitzerin.

„Man darf Menschen nicht in Sippenhaft nehmen, denn dann sind wir wieder in der Zeit des Nationalsozialismus“, sagt er. Roma und Sinti seien genauso unterschiedlich und individuell wie die deutsche Mehrheitsgesellschaft. „Es gibt Anständige, es gibt welche, die stehlen und somit gegen das Gesetz verstoßen. Die Justiz muss alle Gesetzesverstöße ahnden. Ich will keine Diebe schützen.“

Franz fügt hinzu: „Man stelle sich nur vor, die Ladenbesitzerin hätte anstatt Roma Moslems, Juden oder Homosexuellen den Zutritt verweigert. Dann wäre die Aufregung viel größer.“