Berlin-Neukölln: Hundetagesstätte JBAC an der Gutschmidtstraße soll Fäche für Flüchtlingsheim abgeben

Berlin - Hinter dem Fenster beobachten Jack-Russell-Hündin Kira und ihre Freundin Fly die Neuankömmlinge. Im Nebenfenster döst Beagle Holly. Draußen toben die anderen aus der Gruppe, während ihre Besitzer arbeiten.

Seit Jahren verbringen die Hunde ihre Wochentage in der Hundetagesstätte JBAC an der Gutschmidtstraße in Neukölln, die von Petra Bozzo geleitet wird. Ob die rund 40 Tiere weiterhin ihre Tage bei Bozzo und ihrem Lebensgefährten Tom Sterly verbringen können, ist unklar – das Gelände ist für Flüchtlingsunterkünfte vorgesehen. Jetzt deutet sich ein Kompromiss an.

15.000 Quadratmeter für Hundetagesstätte

Seit 14 Jahren führt Bozzo ihre Hundetagesstätte (Huta) auf dem rund 15.600 Quadratmeter großen Gelände im Süden Neuköllns. Eine vergleichbare Einrichtung gibt es im Bezirk nicht. „Wenn wir von dem Gelände runter müssen, haben wir keine Ausweichmöglichkeit“, so Bozzo. Für die Hundebesitzer, die ihre Schützlinge seit Jahren zu ihr bringen, wäre das ein großes Problem. „Die Halter sind voll berufstätig und wollen ihren Hund nicht den ganzen Tag zu Hause alleinlassen“, sagt Bozzo. In ihrer Huta hätten die Tiere Auslauf und Abwechslung. „Das ist gut fürs Gemüt, nicht nur bei Menschen“, so die Hundepflegerin.

Huta und Hundeschule

Die Huta ist stark gefragt. Die Warteliste ist seit Jahren lang. Halter müssen, ähnlich wie bei den Kitas im Bezirk, schon Jahre vorher einen Platz anmelden. Auch sonst gibt es viele Ähnlichkeiten mit dem Kita-Konzept. Die Hunde haben eine Eingewöhnungsphase, in der sie gemeinsam mit ihren Haltern Zeit in der Tagesstätte verbringen. Je nach Größe, Alter und Temperament werden sie einer von vier Gruppen zugeordnet. „Manche Hunde gewöhnen sich schnell ein, andere sind mehr auf ihr Herrchen fixiert und brauchen länger, um in der Gruppe anzukommen“, so Bozzo.

Auf dem Gelände, das dem Liegenschaftsfonds des Landes Berlin gehört, betreut Bozzo neben der Hundetagesstätte auch einen Hundespielplatz und eine Hundeschule. In der Schule trainiert ihre Tochter Jenny mit Unterstützung von zwei weiteren Hundetrainern Halter und Hunde gemeinsam und führt kleine Workshops mit Grundschülern zu Hunden als Haustieren durch.

Bezirksbürgermeisterin Giffey hat Huta im März besucht

Das Gelände hat Bozzo vor 14 Jahren als zugewachsenes Feld gemietet. „Wir hatten einen festen Mietvertrag für zehn Jahre, bei dem uns nicht einfach gekündigt werden konnte“, sagt die 47-Jährige. Mit Schaufel und Spaten haben sie das Gelände in eine grüne Idylle verwandelt, die sie heute ist. Ihre eigenen neun Hunde, elf Schafe und zwei Katzen wohnen ebenfalls hier. „Wir könnten mit all den Tieren auf keinen Fall in unsere Wohnung“, so Bozzo. Viele müssten zurück ins Tierheim, dorthin, wo Bozzo sie eigentlich rausgeholt hat.

Inzwischen haben sie eine dreimonatige Kündigungsfrist. Ob jetzt gekündigt wird, wissen sie jedoch noch nicht. „Von den Plänen für das Gelände haben wir Anfang des Jahres aus der Zeitung erfahren“, so Sterly. Auf ein Schreiben an die Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) hin, hat diese Mitte März der Huta einen Besuch abgestattet.

Bozzo und Strely hoffen auf eine Kompromisslösung. „Wir könnten die Hälfte des Geländes abtreten“, erklärt Bozzo ihren Vorschlag. Die modulare Flüchtlingsunterkunft, die für das Gelände vorgesehen ist, braucht etwa 8000 Quadratmeter Platz. Laut der Bezirksbürgermeisterin wäre diese Lösung denkbar. „Das Gelände bietet ausreichend Platz für beides“, so Giffey.

Hälfte der Huta-Fläche für Flüchtlingsheim vorgesehen

Bei einem gemeinsamen Treffen mit der Senatsverwaltung für Finanzen, der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) und dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) sei eine Kompromisslösung verhandelt worden. „Wir haben jetzt einen ersten Entwurf, der vorsieht, dass etwa 7000 Quadratmeter für die Hundetagesstätte übrig bleiben“, so Giffey. An diesem Freitag soll dieser Entwurf in einem Gespräch mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt konkretisiert werden. „Da wird es darum gehen, die konkrete Zeit- und Verfahrensplanung zu besprechen“, so Giffey.