Berlin - Die Polizei hat einen mutmaßlichen Kontaktmann des Weihnachtsmarkt-Attentäters Anis Amri gefasst. Wie die Staatsanwaltschaft am Mittwoch mitteilte, soll der 27-jährige Tunesier Mohammed D. im Juli 2016 gemeinsam mit Amri und zwei weiteren Mittätern in einer Neuköllner Bar mehrere Menschen angegriffen haben.

Bei der Prügelei war ein Mann durch Messerstiche lebensgefährlich verletzt worden. Der mutmaßliche Messerstecher, der 30-jährige Libyer Mohmad K., steht deswegen derzeit vor dem Schöffengericht Tiergarten. Nach einem weiteren Täter wird noch gefahndet.

Differenzen bei der Abwicklung von Drogengeschäften

„Nach intensiven Ermittlungen und neuen Zeugenaussagen konnte der Tatverdächtige identifiziert und verhaftet werden“, sagte Martin Steltner, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Hintergrund der Tat sind laut Steltner offenbar „Differenzen bei der Abwicklung von Drogengeschäften“.

Gegen den 27-jährigen Tunesier war bereits vor der Festnahme Haftbefehl erlassen worden. Bereits am 13. März wurde der Haftbefehl vollstreckt, als der Beschuldigte zufällig in Mitte bei einer anderen Straftat festgenommen wurde – bei einem Ladendiebstahl. Mit dem Terroranschlag hat er laut Staatsanwaltschaft nichts zu tun.

Am Morgen des 11. Juni hatten vier Männer, darunter Anis Amri, eine Shisha-Bar in Neukölln betreten, die von einer arabischen Großfamilie betrieben wird. Einer von ihnen stach auf einen Mann ein, der gerade an einem Spielautomaten saß. Anschließend flüchtete der Messerstecher mit seinen Begleitern. Der Verletzte kam in eine Klinik, wo die Ärzte mit einer Notoperation ihm das Leben retteten.

Die Ermittlungen gestalteten sich schwierig. Nach Angaben eines Ermittlers konnten sich viele Zeugen, die zu dem arabischen Clan gehörten, nicht mehr erinnern.

Der Tunesier Amri hatte am 19. Dezember einen Lastwagen auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche gesteuert, zwölf Menschen starben und 67 wurden verletzt.