Berlin-Neukölln: So sollen die Bedingungen für Radfahrer verbessert werden

Wenn Saskia Ellenbeck im Neuköllner Norden mit ihren Kindern auf dem Fahrrad unterwegs ist, fühlt sie sich nicht sicher. Ihre Straße, die Braunschweiger Straße, ist fahrradfreundlich instand gesetzt worden. Und genau da liegt das Problem. „Das Kopfsteinpflaster wurde durch Asphalt ersetzt. Jetzt rasen mehr Autofahrer als vorher durch die Straße“, sagt die junge Frau, die sich im Netzwerk Fahrradfreundliches Neukölln engagiert. Einen eigenen Radweg gebe es nicht.

Mit diesem Problem steht Saskia Ellenbeck nicht allein da. Schon lange bemängelt das Netzwerk, dass Radwege fehlen und die Straßenverhältnisse in Neukölln schlecht sind. Nun will der Bezirk reagieren und mehr Fahrradwege im Norden Neuköllns schaffen.

„Immer mehr Menschen in Neukölln fahren Rad“, sagt Wieland Voskamp, der Leiter des Neuköllner Straßen- und Grünflächenamtes. Etwa 5230 Fahrradfahrer passieren  im Schnitt täglich die Zählstelle an der Hobrechtbrücke am Maybachufer. Schon 2011 nutzte jeder achte Neuköllner hauptsächlich das Rad als Verkehrsmittel. Diese Tendenz nehme zu, sagt Voskamp.

Zwischen 2007 und 2015 hat der Bezirk Neukölln insgesamt 7,1 Millionen Euro für den Radverkehr ausgegeben, sagt der Chef des Straßen- und Grünflächenamtes. 5,6 Millionen Euro habe der Bezirk allein aufgebracht, 1,5 Millionen Euro hätten Land und Bund beigesteuert.  76 Prozent des Geldes seien für die Instandsetzung bereits vorhandener Radwege verwendet worden.

Konkrete Planungen für Friedelstraße, Weigandufer, Donaustraße

Vom restlichen Geld wurden Radwegemarkierungen und Asphaltierungen der Fahrbahnen finanziert. Wie Voskamp sagt, hat aber vor allem der Neuköllner Süden profitiert.

Für die kommenden Jahre liegen konkrete Planungen für den Norden des Bezirks vor, sagt Voskamp. Dazu gehören beispielsweise die Asphaltierung der Friedelstraße, eine fahrradfreundliche Umgestaltung des Weigandufers zwischen Fuldastraße und Innstraße sowie die Asphaltierung der Donaustraße zwischen Ganghofer und Reuterstraße.

Kleine Wegabschnitte zu sanieren oder zu asphaltieren reicht nicht aus, kritisiert das Netzwerk Fahrradfreundliches Neukölln, in dem sich mehr als 70 Einzelpersonen und Einrichtungen engagieren, darunter Schulen, Gewerbetreibende und Kiezvereine.

„Wir müssen größere Schritte gehen“, fordert Mitglied Jan-Michael Ihl. Ihm wäre am liebsten, wenn der motorisierte Verkehr nach und nach von den Straßen verdrängt wird. Das sei für ihn  eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. Vor allem auf den drei großen Nord-Süd-Routen – Karl-Marx-Straße, Herrmannstraße und Sonnenallee –  sowie den großen Verbindungsstraßen wie dem Britzer Damm müsse Platz für Radfahrer geschaffen werden. Ein großes Problem seien auch fehlende Abstellmöglichkeiten für Räder sowie schlecht ausgeschilderte Routen.

Lösung für die Karl-Marx-Straße

Zumindest für die Karl-Marx-Straße ist eine Lösung in Sicht.  „Im Zuge der Sanierung der Straße wird dort auch ein Radweg gebaut“, sagt Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (SPD). Neukölln sei aber keine autarke Stadt, „wir müssen uns auch an Vorgaben der Verkehrslenkung des Senats halten“. Ganze Straßen für den Radverkehr zu sperren oder Fahrbahnen auf dicht befahrenen Verbindungsstraßen zugunsten von Radwegen zu verkleinern, sei nicht so einfach möglich.

Das Problem der fehlenden Abstellmöglichkeiten wird jetzt auf Initiative des Senats hin in ganz Berlin angegangen. „Bis 2030 sollen im ganzen Stadtgebiet 34.000 neue Fahrradabstellmöglichkeiten geschaffen werden“, sagt Voskamp. Zur Zeit habe Neukölln etwa 1500 sogenannte „Kreuzberger Bügel“.

Die Neuköllner Grünen fordern jetzt in einem Antrag an das Bezirksamt, dass in einem Pilotprojekt an zehn Stellen in Neukölln Autoparkplätze durch Fahrradparkplätze ersetzt werden. „Vor allem S- und U-Bahnhöfe sollen geprüft werden“, heißt es von den Grünen.